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Klingsors Letzter

Sprach- und Stil-Terror im deutschen Feuilleton

Oft muss ich mich durch Zeitungsartikel regelrecht hindurch kämpfen - besonders dann, wenn das Thema interessant ist und ich eigentlich nicht abbrechen will. Daher will ich hier ein paar Trends vorstellen, die den Leser terrorisieren können. Ich illustriere sie an ein paar (fiktiven) Beispielen:

Beobachtungs-Terror
„Er erscheint spät zum Interview. Bedacht hängt er seinen grauen Wollpulli über den Stuhl. Links neben uns am Tisch sitzt eine Frau mit grünem Oberteil. Sie streicht sich durchs Haar, so als erwarte sie jemanden. Er fängt an zu reden. Seine Lippen sind rot und bewegen sich, wenn er spricht.“

Hauptsatz-Terror
„Manchmal könnte er kotzen. Einfach nur kotzen. Er sucht doch nur Deutsch. Echtes Deutsch. Ein Deutsch wie vor 20 Jahren. Bevor die Journalistenschulfuzzis die deutsche Sprache aktiver und spannender gemacht haben – aus einer absurden Angst vor Schachtelsätzen und Konstruktionen wie dieser. Und er sucht weiter. Voller Hingabe. Und voller Wut. Nach Sätzen mit Verb.“

Hype-Terror
„Sie ist der ultimative Shootingstar der Musik-/Literatur-Szene. Sie haben allerdings noch nie etwas von ihr gehört [wie die meisten Deutschen vor diesem Artikel, Anm. d. Verf.]. Aber überall wird sie gefeiert [und wir stellen das einfach nur objektiv dar]. Und sie verkauft unglaublich viele Alben/Bücher [natürlich nicht durch Artikel wie diesen].“

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