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Klingsors Letzter

Mein Leben als Ideenkünstler (II)

Nachdem ich vor einiger Zeit mein Leben als Ideenkünstler begonnen habe, will ich es hier nun weiterführen – ohne auch nur eine Idee bisher umgesetzt zu haben (ich schwöre es!).

Die Jokebox
Man wirft 10 Cent ein, ein Schallplattenarm greift eine Platte heraus und man bekommt einen Witz erzählt. Die Witze sind dabei nach Kategorien sortiert, wie „klassisch verschweint“, „politisch inkorrekt“, „absurder Anti-Witz“, „Randgruppe“… Die Maschine kann in Kneipen Aufheiterungen für unlustige Runden bieten, kann den Wortschwall von Witz-Allein-Unterhaltern stoppen oder kann auch zum klassischen Duell „Mensch-Maschine“ anregen.

Das Zeitreise-Hotel
Ein Hotel, in dem man das Leben einer anderen Zeitepoche leben kann. Man kann beispielsweise das Leben der 50er Jahre leben: Man gibt alle elektronischen Geräte, alle Kleidung, also eigentlich alles am Eingang des Hotels ab. Man wird komplett neu mit dem Besitz-Portfolio eines Menschen aus den 50er Jahren ausgestattet. Wer beispielsweise telefonieren will, muss Münzen in den Fernsprecher stecken und die Vermittlung anrufen. Männer und Frauen wohnen natürlich in getrennten Zimmern - außer sie sind verheiratet. Dabei ist das 50er-Jahre-Hotel ja noch recht fortschrittlich, im Vergleich zum Hotel des 18. Jahrhunderts.
Hier kommt das Konzept natürlich auch an Grenzen. Kann man in Gebäuden, die in dieser Form in dieser Zeit nicht existiert haben, und in einem Modus des Reisens, der in dieser Zeit ebenfalls nicht existiert hat, die Zeit selbst nachstellen? Vielleicht müsste daher eher ein ganzes Dorf gebaut werden, um das Leben im 18. Jahrhundert nachzustellen. Damit dies nicht nur wieder eine Projektion unserer Vorstellungen der damaligen Zeit wird (siehe Mittelaltermärkte), müssten diese Dörfer und Hotels an die wissenschaftlichen Abteilungen der Museen der Sozial- und Alltagsgeschichte angebunden werden. Das Wichtigste bei dieser Idee ist aber, dass man dort auch leben kann, und es nicht nur - wie ein Museum - besucht.

Der Diavortrag des streitenden Ehepaares
Immer diese Idylle bei Diavorträgen! Ich würde gerne einmal den Diavortrag eines streitenden Paares inszenieren. Er in der einen Ecke des Hörsaals, sie in der anderen Ecke. Er zeigt ein Dia und kommentiert es, sie unterbricht ihn jäh und ruft: „Das stimmt doch gar nicht! Da hab ich dich …“ Dann erzählt sie ihre Version und wird wieder von ihm unterbrochen usw. So schaukelt sich das hoch, bis beide am Ende bei einem wunderbar idyllischen Bild, vielleicht einer Berglandschaft, wutentbrannt den Raum verlassen.
Der Vorteil dieses Vortrags ist, dass er die Urlaubserlebnisse vieler Menschen wohl widerspiegelt und damit auch den oftmals absurden Kontrast zwischen dem Vortragenden, der das Schöne und Spannende erlebt hat, und dem Zuhörer, der immer nur das Langweilige und Spießige erlebt, aufhebt.

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