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Klingsors Letzter

Folter und danach

Bei der Süddeutschen gibt es heute ein sehr interessantes Interview (http://www.sueddeutsche.de/,tt2m2/ausland/artikel/273/68205/). Der ehemalige islamische Militärkaplan der Gefangenen von Guantanamo wird befragt. Er war bei der US-Armee angestellt, wurde dann aber ungerechtfertigterweise verdächtigt spioniert zu haben und für insgesamt 76 Tage in Einzelhaft gehalten. Was mich zunächst erschreckt hat, war, welche extremen Foltermethoden demokratische Staaten entwickeln. Ich dachte schon Waterboarding wäre das Extremste, ich dachte Lichtentzug und Einzelhaft wären schlimm. Was ihm nun geschehen ist, hat mich erneut schockiert. Er wurde mit der Methode “Sensory Deprivation” behandelt. Das bedeutet, dass man Ohrenschützer und eine geschwärzte Brille aufgesetzt bekommt. Man wird mit einfachsten Mitteln von seiner Umwelt abgeschnitten, wird auf sich selbst zurückgeworfen, weiß nicht, was um einen passiert. Falls man auch noch gefesselt wird ist man wie in einem mentalen Käfig gefangen.
Was nun aber interessanter und weniger schockierend war, war die Art und Weise, wie der Militärkaplan darüber sprach. Der Reporter stellte ihm ganz offensichtlich sehr aggressive Fragen, die in die Richtung gehen sollen “Verurteilen sie doch mal ihren ehemaligen Arbeitgeber.” Dazu ließ er sich nie hinreißen, selbst nachdem, was ihm passiert ist: 76 Tage zu Unrecht gefangen gehalten und gefoltert. Er sieht das ganze als “groben Justizirrtum”. Er hätte sein gesamtes Weltbild revidieren müssen, sein gesamtes bisheriges Leben leugnen müssen, wenn er eingesehen hätte, welch schreiende Willkür und Ungerechtigkeit im gesamten Militärapparat dieses demokratischen Regimes steckt. Eher sortiert man das Geschehene in Kategorien ein, die man kennt, auch wenn sie vielleicht auf diese extremste Situation überhaupt nicht passen.
Er hätte zu einem Kämpfer gegen das System werden müssen. Aber er war schon so lange drin, dass er alles erkannte und als notwendig hinnahm, weil er es selbst auch schon gesehen oder getan hatte. Daran erkennt man, warum es so wenig Kämpfe heutzutage gibt.

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