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Klingsors Letzter

Das Sternchen und ich. Wie ich zu einem hetero-normativen Arschloch wurde

Neulich bin ich in der Gunst einer Kollegin extrem tief gesunken, weil ich meinen Text nicht sternchen*ge*gendert hatte. Sie sagte, sie habe selten einen so hetero-normativen Text gelesen. Das war skurril – mein Schreibstil hat sich nämlich seit dem Ende meines Studiums gar nicht so sehr verändert. Ich würde sogar sagen, dass ich gender-sensibler geworden bin. Damals war das Sternchen*Gendern allerdings noch gar nicht erfunden und daher hat sich wohl auch niemand über meine Texte beschwert.

Mittlerweile scheint es in der neuen Generation von Soziolog*innen so tief verankert zu sein, dass Texte ohne * sogar Zorn und Wut auslösen können. Wie absurd. Ich habe scheinbar einen Sprung in der Entwicklung der Soziologie verpasst. Ohne mein Zutun bin ich von einem normalen Soziologen zu einem hetero-normativen Arschloch geworden.

Damals vor zehn Jahren, als man noch die Wahl zwischen den Sonderzeichen „_“, „/“ und „*“ hatte, war das Sternchen eigentlich immer das Extremste und damit auch das Absurdeste. Unglücklicherweise habe ich dann verpasst, warum man nun plötzlich nur noch so gendert. Ich kenne das * eigentlich nur von Suchvorgängen in Windows, wenn man nicht genau weiß, wie die zu findende Datei heißt, oder aber als sympathischen Fußnoten-Ersatz, wenn man nur eine Fußnote hat und keine rational-wirkenden Zahlen verwenden will. Sind das die Analogien? Ein Sternchen, weil man gerade noch sucht und nicht genau weiß, welches Geschlecht man eigentlich hat? Oder ist das Sternchen die Fußnote für alle möglichen anderen Geschlechter, die dann aber weder im Text noch in der Fußnote genannt werden?

Leider bin ich auch ein Freund der Lesbarkeit. Und damit wahrscheinlich auch wieder ein konservativer, alter Sack. Aber ich stolpere wirklich über Zeichen, die einfach nicht lesetext%geeignet sind, weil ihre Bedeutung ausgesprochen unklar ist. Aber vielleicht habe ich – analog zur Schreibkompetenz – einfach noch nicht die Lesekompetenz eines*r „normalen“ Gegenwartssoziolog*n entwickelt.

Außerdem wüsste ich wirklich gerne, ob sich tatsächlich jemand durch das Sternchen repräsentiert und in seiner*ihrer Geschlechtsidentität besser verstanden fühlt. Oder ob das nur ein Solidaritätsstatement ist, mit dem die Soziolog*innen zugleich ihr reines Gewissen und ihr inklusives Geschlechtsbewusstsein zeigen. Aber wahrscheinlich hat es sich auch durchgesetzt, weil man damit zugleich das größtmögliche „Fuck You!“ an Leute senden kann, die die Gender-Perspektive gerne unter den Tisch kehren wollen. Jede Generation braucht wohl ihren K*mpf!

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