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Klingsors Letzter

The future is cloudy

Eigentlich ist es schade, dass Orwell in seinem Roman 1984 nicht beschrieben hat, wie diese Welt entstanden ist. So können wir mit Schrecken auf die Endversion dieser Welt blicken und uns daran freuen, dass wir in einer freien Gesellschaft leben … obwohl die Wege in eine vielleicht nicht Orwellsche, aber doch dystopische Welt schon fleißig gepflastert werden.

Ein Pflasterstein auf unserem Weg in diese Welt sind die Clouds. Man speichert seine persönlichen Daten nicht mehr auf seinem eigenen Rechner, sondern in der eigenen Cloud. Menschen nehmen diese Verlagerung ihrer Daten scheinbar gern in Kauf, weil durch die Vermehrung ihrer Endgeräte ein enormer Synchronisierungsbedarf entstanden ist. Gab es früher für alle Funktionen einzelne, nicht miteinander verbundene Geräte (z.B. Musik, Telefon, Kamera) übernimmt nun das Handy all diese Funktionen, ohne jedoch gleichzeitig den eigenen Rechner ersetzen zu können. Durch kluge Software hätte man beide Geräte so miteinander koppeln können, dass alle Daten immer auf dem neuesten Stand sind - bei der stetigen Speicherweiterentwicklung wären alle Daten auf dem jeweiligen Gerät geblieben.

Diesen Weg, der anfangs sogar beispielsweise von Apple beschritten wurde, haben nun aber alle Hersteller verlassen und sich für das Cloud-Modell entschieden. Die Geräte, die für die Cloud nötig sind, bräuchten eigentlich gar keinen Speicher, keine Festplatte mehr, nur noch Zwischenspeicher, weil sie ja nur noch Anzeigegeräte sind. Das macht die Entwicklung der Geräte für die Anbieter billiger, macht die Nutzer aber auch abhängiger von ihrer Internetverbindung.

Dass diese Version für die Anbieter wie Google, die von den Daten der Nutzer leben, attraktiv ist, leuchtet unmittelbar ein: Man hat endlich alle, ich betone, alle! Daten des Nutzers, man kann sein Nutzerverhalten und seinen Umgang mit seinen Dokumenten live analysieren. Aber warum machen das die Nutzer mit?

Vielleicht liegt es ja an der wahrhaft genialen Namensschöpfung „Cloud“. Die Cloud ist immer über uns, sie ist nie weit weg und sie gehört uns. Und dabei ist das alles falsch. Um sich das bewusst zu machen, müsste man den Satz „Ich lade mal meinen Lebenslauf aus der Cloud.“ wahrscheinlich so umformulieren: „Ich lade mal meinen Lebenslauf von einer Festplatte in Nebraska, die im Rechenzentrum eines milliardenschweren Unternehmen verbaut ist, bei dem täglich Unternehmen wie Geheimdienste anklopfen, um sich meine Daten für Werbezwecke runterzuladen oder auf Gesellschaftskonformität zu überprüfen.“ Wenn man sich also bewusst machen würde, dass die Cloud nicht über einem schwebt, sondern doch lokal auf einer Festplatte irgendwo am anderen Ende der Welt abgespeichert wird, würde den Menschen klar werden, wie absurd es ist, Daten über tausende Kilometer hinweg dorthin zu speichern.

Vielleicht ist Cloud aber auch ein doppeldeutiger Begriff oder sogar ein Metabegriff: Es sind die Wolken der Cloud, die die Sonne der Erkenntnis verschleiern - der Erkenntnis, was eine Cloud eigentlich ist.

1 Kommentar »

  Klingons Erster wrote @ Oktober 20th, 2015 at 10:18

Vielleicht sollte sich jeder auch mal überlegen, was für Daten er überhaupt braucht? Legen wir alle nicht viel zu viel digitalen Schrott an? 10 Fotos vom gleichen Motiv mit fast der gleichen Einstellung. Irgendwelche Texte von irgendwelchen Partyspielen, die man vielleicht noch mal brauchen könnte, die man dann aber sowieso eher googelt. Gigabyte an Musik und Videos, weil es ja so einfach ist, einfach alles zu rippen und zu zippen und zu naja speichern. Eingescannte Artikel, die man irgendwann mal spannend fand. Oder zwischengespeicherte Texte. Das könnte ich ewig weiter treiben.
Sollte nicht für jeden Bürger ein USB-Stick mit den wichtigsten Dokumenten reichen? Aber halt, den kann man ja weder ans Handy noch an das iPad anschließen.
So. Jetzt muss ich aber wieder Daten anlegen, Zwischenversionen speichern und mir eine übersichtliche Ordnerstruktur überlegen.

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