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Klingsors Letzter

Archive for Mai, 2017

Die abendliche Suche nach dem Glück

Manche Abende sind wie eine Odyssee mit dem Ziel, etwas Einmaliges zu erleben. Es ist die Suche nach einem magischen Moment, nach dem unglaublichen Spaß, nach dem Loslassen und Schweben, kurzum: nach dem Glück.

Es gab und gibt solche Abende: Wenn man sie noch nie erlebt hätte, würde man sie ja nicht suchen! Aber, und das ist das Gemeine, man kann sie nicht erzwingen. Dies wird jedoch viel zu oft versucht. Man wechselt dann beispielsweise ständig die Orte, weil es ja woanders noch besser sein könnte. Irgendwo muss schließlich das ultimative Glück warten!

An solchen Odyssee-Abenden gibt es auch Rollen, die klassischerweise an die Glücksritter vergeben werden:

Es gibt die Zu-schnell-Aufgeber. Sie gehen eigentlich, bevor die Suche nach dem Glück startet – vielleicht aus Angst, dass kein Glück für sie dabei sein wird. Eine Form der präventiven Enttäuschungsvermeidung.

Es gibt die Skeptiker. Sie wollen nicht zu den Zu-schnell-Aufgebern gehören, weil sie noch heimlich die Hoffnung hegen, dass doch noch ein wenig Glück gefunden wird. Aber je länger sie ohne sichtbare Glücks-Funde dabei sein müssen, desto spaßbremsiger werden sie: Noch ein Ortswechsel!? Wieso denn?

Es gibt die Forcierer. Sie glauben, dass man das Glück am Abend nur durch eigene gute Laune herauskitzeln kann: Man muss jetzt Spaß haben, man lebt schließlich nur einmal. Möglicherweise bekommen auch sie im Laufe eines erfolglosen Abends Zweifel, übertönen diese dann aber durch ihre übertrieben gute Laune und durch die betonte Abgrenzung von den spaßbremsigen Skeptikern.

Es gibt die Mitläufer. Sie hoffen, dass wenn andere etwas Glück finden, auch etwas für sie abfällt. Sie sind zu allem bereit und haben keine eigene Meinung. Sie lassen sich von den anderen Kräften einfach treiben.

Das Tragische ist: Wenn sich keine Glückserlebnisse ergeben, kommt es zu einer Übersteigerung der Rollen, die in übertriebenen Konflikten und einem Negativsog enden können. Dabei können sich die Rollen auch wunderbar ergänzen, so dass – wie bei einem Puzzle – jeder seinen besonderen Teil zu einem ultimativen Abend hinzufügt.

Über die Spielarten und Stufen des Humors

Neulich erklärte mir ein Freund, dass er bei seiner neuen Bekanntschaft immer noch auf der Suche sei – auf der Suche nach ihrem Humor. Das bietet mir Gelegenheit, endlich mal meine eigene Humortheorie auszuformulieren! Dann lässt sich klären, wonach er da eigentlich sucht. Schon lange laboriere ich innerlich an dieser Theorie und trage sie unausformuliert in mir.

In meinen Augen gibt es Spielarten und Stufen des Humors. Die Spielart ist die Form des Humors: Es gibt beispielsweise absurden Humor à la Monty Python oder Wortspielhumor à la Heinz Erhardt oder Stereotypenhumor à la Mario Barth. Es gibt sehr viele verschiedene Spielarten und es wäre eine ruhmvolle Aufgabe einmal eine Typologie des Humors zu schreiben.

Neben diesen Spielarten gibt es drei Stufen des Humors: Kein Humor, passiver Humor und aktiver Humor. Diese lassen sich am besten anhand der Spielarten des Humors erklären: Man kann Monty Python nicht lustig finden (kein Humor), man kann es lustig finden und sich fragen, wie die immer nur auf solche Ideen kommen (passiver Humor) oder man kann es lustig finden und selbst auf solche Ideen kommen (aktiver Humor). Jeder Mensch kann sich also bei den diversen Spielarten des Humors auf unterschiedlichen Stufen befinden.

Leider wird die Stufe des aktiven Humors – unabhängig von der jeweiligen Spielart – jedoch nur selten erreicht. Die Trennlinie zwischen aktivem und passivem Humor verläuft in meinen Augen entlang der Aussage “Wie die immer nur darauf kommen” (ich hatte am Ende dieses Beitrags bereits darüber geschrieben). Wer diesen Satz sagt, schiebt die Möglichkeit eines aktiven Humors von sich selbst weg und gesteht dies nur anderen zu. Einige Menschen entwickeln aber einen sendungsbewussten passiven Humor: In Gruppen erzählen sie Witze oder von lustigen Youtube-Videos. So können sie Humor zeigen, ohne selbst aktiv zu werden.

Wonach der Freund bei seiner neuen Bekanntschaft vermutlich suchte, war ihre Spielart des aktiven Humors. Wenn man allerdings suchen muss, ist es um den Humor eher schlecht bestellt: Ein aktiver Humor ist meist leicht zu erkennen – zumindest dann, wenn Menschen sich wohlfühlen und ihn offenbaren.