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Klingsors Letzter

Archive for Oktober, 2015

The future is cloudy

Eigentlich ist es schade, dass Orwell in seinem Roman 1984 nicht beschrieben hat, wie diese Welt entstanden ist. So können wir mit Schrecken auf die Endversion dieser Welt blicken und uns daran freuen, dass wir in einer freien Gesellschaft leben … obwohl die Wege in eine vielleicht nicht Orwellsche, aber doch dystopische Welt schon fleißig gepflastert werden.

Ein Pflasterstein auf unserem Weg in diese Welt sind die Clouds. Man speichert seine persönlichen Daten nicht mehr auf seinem eigenen Rechner, sondern in der eigenen Cloud. Menschen nehmen diese Verlagerung ihrer Daten scheinbar gern in Kauf, weil durch die Vermehrung ihrer Endgeräte ein enormer Synchronisierungsbedarf entstanden ist. Gab es früher für alle Funktionen einzelne, nicht miteinander verbundene Geräte (z.B. Musik, Telefon, Kamera) übernimmt nun das Handy all diese Funktionen, ohne jedoch gleichzeitig den eigenen Rechner ersetzen zu können. Durch kluge Software hätte man beide Geräte so miteinander koppeln können, dass alle Daten immer auf dem neuesten Stand sind - bei der stetigen Speicherweiterentwicklung wären alle Daten auf dem jeweiligen Gerät geblieben.

Diesen Weg, der anfangs sogar beispielsweise von Apple beschritten wurde, haben nun aber alle Hersteller verlassen und sich für das Cloud-Modell entschieden. Die Geräte, die für die Cloud nötig sind, bräuchten eigentlich gar keinen Speicher, keine Festplatte mehr, nur noch Zwischenspeicher, weil sie ja nur noch Anzeigegeräte sind. Das macht die Entwicklung der Geräte für die Anbieter billiger, macht die Nutzer aber auch abhängiger von ihrer Internetverbindung.

Dass diese Version für die Anbieter wie Google, die von den Daten der Nutzer leben, attraktiv ist, leuchtet unmittelbar ein: Man hat endlich alle, ich betone, alle! Daten des Nutzers, man kann sein Nutzerverhalten und seinen Umgang mit seinen Dokumenten live analysieren. Aber warum machen das die Nutzer mit?

Vielleicht liegt es ja an der wahrhaft genialen Namensschöpfung „Cloud“. Die Cloud ist immer über uns, sie ist nie weit weg und sie gehört uns. Und dabei ist das alles falsch. Um sich das bewusst zu machen, müsste man den Satz „Ich lade mal meinen Lebenslauf aus der Cloud.“ wahrscheinlich so umformulieren: „Ich lade mal meinen Lebenslauf von einer Festplatte in Nebraska, die im Rechenzentrum eines milliardenschweren Unternehmen verbaut ist, bei dem täglich Unternehmen wie Geheimdienste anklopfen, um sich meine Daten für Werbezwecke runterzuladen oder auf Gesellschaftskonformität zu überprüfen.“ Wenn man sich also bewusst machen würde, dass die Cloud nicht über einem schwebt, sondern doch lokal auf einer Festplatte irgendwo am anderen Ende der Welt abgespeichert wird, würde den Menschen klar werden, wie absurd es ist, Daten über tausende Kilometer hinweg dorthin zu speichern.

Vielleicht ist Cloud aber auch ein doppeldeutiger Begriff oder sogar ein Metabegriff: Es sind die Wolken der Cloud, die die Sonne der Erkenntnis verschleiern - der Erkenntnis, was eine Cloud eigentlich ist.

Verriss light: Im Witzbus von Jan Böhmermann

Mit dem Alter wird man tatsächlich milder. Früher hätte ich einen übertrieben polarisierenden Schmähartikel über den gerade gehypten Jan Böhmermann geschrieben. Es wäre ein einseitiger Verriss geworden, eben weil er gerade gehypt wird. Heute erkenne ich seine Schwächen und denke mir: „Einige Sachen sind ja auch gut…“ Die Kritik muss aber dennoch, ungeachtet ihrer fehlenden Einseitigkeit, noch raus - immerhin bin ich mir da treu geblieben:

Ich war wirklich verwundert, wie ungelenk Jan Böhmermann moderiert. Vielleicht hatte er nur zwei schlechte Sendungen, vielleicht zu Hause Probleme (ah, diese schreckliche Milde!), aber es wirkt alles sehr künstlich: Die Ankündigung der Gäste, die Standup-Einstiegswitze, die Interviews mit den Gästen. Jan Böhmermann fehlen scheinbar für seine Gäste die sozialen und für die Comedy die mimischen und gestischen Fähigkeiten. Bei den Witzen kommt erstaunlicherweise die fehlende Abgeklärtheit hinzu, einen Witz einfach mal stehen zu lassen. Man merkt es Böhmermann an: Er steht oder sitzt dann feixend da und freut sich insgeheim an dem gelungenen Wortwitz. Da fehlt ihm zur nötigen Souveränität vielleicht sogar Selbstironie und -distanz.

Schlimmer als die Witzeinlagen sind aber die „Gespräche“ mit den Gästen. Sie sind eine Qual: Es wird willkürlich ein spezieller Punkt aus dem Leben des Gastes herausgegriffen und zwei ebenso willkürliche Fragen dazu gestellt. Das Problem ist: Man weiß eigentlich nicht, wofür die Gäste da sind. Jeder Gast hat ja eigentlich ein Thema an sich kleben - etwas, für das er oder sie steht. Dazu müsste man gezielt Fragen (und Nachfragen) stellen, dann könnte das ein Gespräch werden.

Stattdessen merkt man, dass Böhmermann vorbereitete Fragen - unabhängig von den Antworten der Gäste - abarbeitet. Es gibt halt vorbereitete Witzhaltestellen, die müssen angefahren werden. Es fehlt ihm scheinbar die Schlagfertigkeit. Wer den Kontrast spüren will, dem empfehle ich, sich einmal ein Gespräch von Erwin Pelzig anzuschauen: Er hat auch vorbereitete Witze, ist aber zugleich auch schlagfertig im Gespräch, er kann sich auf seine Gäste einlassen und ist immer gut vorbereitet. Vielleicht war Böhmermann ja in den beiden Sendungen ausnahmsweise schlecht vorbereitet, vielleicht ist das halbstündige Format auch zu kurz für Gespräche und Witze, aber ein so wirres und langweiliges Gespräch mit einem so geeigneten Gast wie Oliver Kalkofe zu führen, ist eine Kunst.

Ohne Zweifel: Die Ideen und Wortwitze sind in der Show da. Es sind jedoch Ideen und Wortwitze, die auch auf Studentenparties spätnachts im Suff entstehen könnten. Der einzige Unterschied: Niemand auf der Party hat das ZDF im Hintergrund, das erlaubt diese Ideen tatsächlich umzusetzen.

Eine Schlacht mit Laugenbrötchen unter dem Motto „Der Laugendetektor“ zu machen, ist genauso eine Idee. Sie wirkt auf den ersten Blick witzig, aber sie verliert eigentlich nur, wenn man sie wirklich umsetzt. Besonders auch dann, wenn man dem Gast (Ina Müller) nur schlechte Fragen stellen kann, weil man mit ihr (aus den genannten Gründen) nicht warm werden konnte, sondern sie nur auf eine Witzbusreise durch den eigenen, achso lustigen Kosmos mitgenommen hat.