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Klingsors Letzter

Archive for Oktober, 2011

Jokers High

Es gibt Momente, für die lohnt es sich einfach zu leben. Großartig sind für mich beispielsweise immer Momente der Schwerelosigkeit gewesen. Solche hatte ich immer mal wieder an einer wunderschönen Badestelle an der Saale. Dort gibt es ein Seil, an dem man sich ins Wasser schwingen kann. Der Moment, wenn das Seil gerade seinen höchsten Punkt über dem Wasser erreicht und man dann loslässt und in der Luft steht, bevor man hinabfällt – wundervoll. Oder auf der anderen Seite steht ein Baum, von dem man aus mehr als sechs Metern (wir haben es nachgemessen) hinabspringen kann. Dort ist es nicht der freie Fall, sondern das Gefühl, wenn man ins Wasser eintaucht nach diesem Wagnis des Sprungs und umgeben ist von sicherem Wasser und weiß, jetzt kann man wieder auftauchen, alles ist gut gegangen.
Solche Situationen kannte ich bereits. Doch heute habe ich eine neue kennengelernt. Es ist der Moment, in dem man einen Witz erkennt, in dem die ganze Dimension eines Witzes bewusst wird. Ich hatte lange über einen Gaddafi-Witz gegrübelt, fast schon eine Seite mit halbgaren Ansätzen vollgeschrieben, als sich plötzlich der Witz offenbarte. Das Großartigste an Witzen ist für mich, wenn sie es schaffen, die Bigotterie der Gegenwart zu karikieren, wenn sie eine Sache punktgenau treffen. Und natürlich sollten sie dies auf eine maliziöse Weise machen, sich also von hinten anschleichen und den Leser dann überwältigen. Als mir die Pointe einfiel, bekam ich das Grinsen nicht mehr aus meinem Gesicht – am liebsten hätte ich laut losgeprustet und ein wildes “Muahahahaha” losgelassen. Die Verrückheit war nicht fern, das merkte ich. Aber es war einfach nur grandios, weil es so schön bösartig, aber auch treffend war. Und das schönste: Anderen Lesern ging es auch so! Der Witz ist von Null auf Eins in die Titanic-Empfehlungen geschnellt (wenn jemand nachschauen will). Ein schönes, wenn auch verfrühtes, selbst gemachtes Geburtstagsgeschenk!

Endlich: Die Überwindung des Relativismus

Früher hat mich immer wieder ein gewisser Relativismus umgetrieben. Ich konnte oft nicht sauer auf Menschen sein, weil ich versuchte, ihre Position und deren Berechtigung zu verstehen. Ich habe dann einen rationalen Schritt zurück gemacht, zurück hinter all die innere Ablehnung und Abneigung.
Irgendwie wollte man doch bei allen Menschen beliebt sein. Und wenn es Probleme gab, dann waren das doch nur Spiegelungen der eigenen Unvollständigkeit. Jedes Problem deutete auf einen inneren Wesenszug hin und war in diesem Sinne wichtig – man musste daran arbeiten. So schuf ich mir immer wieder rationale Brücken über emotionale Widerstände. Und wenn die Brücke wieder einmal einzustürzen drohte, musste ein Metagespräch geführt werden. Das Erstaunliche aber ist, aus heutiger Sicht, dass es immer wieder dieselben Einstürze gab, dass ich immer wieder zum gleichen Punkt kam: Der Punkt, an dem die vorgeschobene Rationalität wegfiel und all die Emotionen, die man so sorgsam wegrelativiert und wegpsychologisiert hatte, wieder hervorbrachen. So als habe man diesen Menschen und all die innere Ablehnung, die er auslöst, gerade erst kennengelernt.
Dieser Relativismus basierte bei mir auch auf der Erfahrung, dass sich Beziehungen sehr schnell ändern können und dass man nie wissen kann, wer einem in einem Jahr was bedeuten wird. Aber diese Vorstellung ist ebenso überholt wie übertrieben. Es wird immer Menschen geben, die selbst auf einer einsamen Insel nie meine besten Freunde werden. Es gibt ganz offensichtlich Passungen mit anderen Menschen und dementsprechend bestimmte Wesenszüge, mit denen ich nie umgehen können werde (beispielsweise Arroganz). Das klingt banal. Aber wenn eine Erfahrung eine andere widerlegt und damit ein altes, lang gehegtes Prinzip (”Sei bei allen beliebt”) zerbricht, dann ist das schon bemerkenswert.
Das Erstaunlichste ist ja eigentlich, und das ist mir in letzter Zeit immer wieder aufgefallen, dass man sich selbst im Laufe der Jahre immer besser kennenlernt. So als habe man sich vorher gar nicht gekannt, als habe man einen fremden Körper rumgeschleppt, fremde Gedanken geäußert, fremde Beziehungen geführt. Aber vielleicht lernt man sich auch gar nicht kennen, sondern erfindet sich vielmehr, macht sich zum Menschen, macht sich sichtbar.

Die Qual des Schauspielers

Nach langer Zeit wieder einmal ein kurzer Eintrag - geboren aus dem Unverständnis der Entstehung schlechter Filme. Ich habe heute wieder einmal einen schlecht gemachten Tatort geschaut, da stieg unweigerlich eine drängende Frage in mir auf: Merken eigentlich die Schauspieler selbst, wie schlecht manche Drehbücher sind? Und wenn ja, was machen sie dann?
Bekanntere Schauspieler sollen ja ihre Filme selbst auswählen können. Das bietet immerhin eine gewisse Freiheit. Aber wie sieht es aus mit den Tatort-Schauspielern? Ist das nicht die pure Qual, wenn du etwas spielen musst, und gleichzeitig merkst, wie schlecht das alles ist?  Oder bewahrt sie während des Drehs nur die Hoffnung auf den finalen Schnitt vor der völligen Verzweiflung? Bei manchen deutschen Fernsehfilmen kann ich mir das gut vorstellen.