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Klingsors Letzter

Archive for April, 2008

Stärker als die Angst

Der Versuch, stärker als die Angst zu sein, ist sinnlos. Stärker als die Angst wird nur die Angst selbst sein. Es ist, als ob man gegen sich selbst Squash spielen würde, man versucht den Ball, in diesem Fall die Angst, immer weiter weg zu donnern, sie immer heftiger zu zerstören, doch sie wird einem mit der gleichen Wucht, mit der gleichen eigenen Stärke wieder treffen und man wird sie wieder härter wegschlagen, um sich einen kurzen Moment der Ruhe zu verschaffen, einen Moment, der immer kürzer wird. Besser und auch weitaus schwieriger ist es, all das nicht als Kampf zu sehen, sondern als Teil von sich selbst, den man nicht als Fremdes oder Falsches oder Äußeres betrachten sollte. Das ist viel verlangt.
Einstein soll einmal gesagt haben (hier ein wenig verändert): “Ein Problem kann nicht auf derselben Ebene gelöst werden, auf der es entstanden ist.” Man muss ihm quasi ausweichen, es auf eine andere Ebene zerren, um eine Chance zu haben, es zu lösen.

Scheiß Film-Zerreder

Ich gebe es zu: Ich HASSE es, wenn jemand bei Filmen ständig dazwischen quatscht. Wieso muss das denn alles kommentiert werden? Ist das eine Form der Kommunikation? Mit wem reden die Menschen, die sich ständig fragen: Oh, wer war denn das, oh, wie kommt denn das? Wieso kann man Filmen nicht Zeit geben, sich zu entwickeln, die meisten Szenen, die meisten Personen werden eingeführt und auch erklärt? Wieso muss denn immer alles gleich auf dem Silbertablett serviert werden? Muss sich der Filmgenuss immer am Dümmsten Anzunehmenden Zuschauer (DAZ) orientieren? Wieso wird es toleriert, dass der DAZ das Filmvergnügen aller anderen zerredet? Halt’s Maul! Niemand will deine Selbstgespräche wissen, niemand will wissen, dass du den Film nicht verstehst! Genauso schlimm sind übrigens die, die den Film immer schon im Voraus sehen: Ah, das wird gleich passieren, der ist bestimmt der Mörder. Was berechtigt diese Leute den Filmgenuss der anderen durch ihre kruden Gedanken zu zerstören? Es ist eine Anmaßung. Der Respekt vor den anderen gebietet es doch, einfach mal zu schweigen und jedem seine eigene Wahrnehmung zu lassen. Wenn man ein klassisches Konzert hört, dann sagt man doch auch nicht die ganze Zeit: Waren das die Violinen? Gleich kommen bestimmt die Oboen…
Es gibt natürlich Filme, bei denen macht mir so etwas nichts aus: Filme, die wenig Anspruch haben oder einfach nur lustig sind. Filme, deren Genuss einfach nur wie eine gute Unterhaltung ist. Filme, für die man sich Freunde einlädt, um einen “gemeinsamen” Film zu gucken.
Vielleicht verleitet die Stille diese Zerreder ja dazu endlich mal die Macht zu nutzen und allen anderen ihre Definition der Situation aufzudrücken. Es ist ja immer auch ein Sich-Produzieren-Müssen darin enthalten. Beim DAZ vielleicht weniger, der versteht das einfach nur nicht und will von den anderen mit durch den Film geschleppt werden. Aber alle anderen nutzen die Chance ihre Wahrnehmungen ungefiltert einmal äußern zu können.
Ich bin einfach ein Freund der Ruhe beim Filme-Schauen. Wenn ich einmal was überhaupt nicht verstanden habe, frage ich auch mal nach. Aber sonst genieße ich die gemeinsame Stille, die dann später in einem Gespräch darüber überwunden werden kann. Aber erst danach.

Society, crazy in me

Ich muss noch ein Lied aus dem Soundtrack von “Into the Wild” vorstellen. Der Soundtrack geht mir weitaus näher als der Film. Vielleicht auch weil es der Stimme von Eddie Vedder gelingt, tief in mir rumzuwühlen – und die Texte erst. Hier noch ein Beispiel: Das Lied “Society”, diesmal sogar mit angehängtem Text.

Oh, it’s a mystery to me
We have a greed
with which we have agreed

And you think you have
to want more than you need
Until you have it all you won’t be free

Society, you’re a crazy breed
Hope you’re not lonely without me…

When you want more than you have
You think you need…
And when you think more than you want
Your thoughts begin to bleed

I think I need to find a bigger place
Because when you have more than you think
You need more space

Society, you’re a crazy breed
Hope you’re not lonely without me…
Society, crazy indeed
Hope you’re not lonely without me…

There’s those thinking, more-or-less, less is more
But if less is more, how you keeping score?
Means for every point you make, your level drops
Kinda like you’re starting from the top
You can’t do that…

Society, you’re a crazy breed
Hope you’re not lonely without me…
Society, crazy indeed
Hope you’re not lonely without me…

Society, have mercy on me
Hope you’re not angry if I disagree…
Society, crazy indeed
Hope you’re not lonely without me…

Der Refrain ist so wunderschön ironisch und auch anmaßend: Die Gesellschaft, die alleine zurückgelassen wird, wobei doch der Einzelne aus gesellschaftlicher Sicht alleine zurückbleibt. Besonders die Strophen sind großartig: Wenn du mehr willst als du hast, dann denkst du, du bräuchtest. Wenn du mehr denkst als du wollen kannst, dann holst du dir nur blutige Gedanken. Wenn du mehr hast und bist als du denken kannst, dann brauchst du mehr Raum. Haben ist hier gleichgesetzt mit Sein. Es geht darum, dass man das, was man in sich trägt, auslebt – und das sind nicht nur Gedanken oder Besitz, sondern auch Gefühle. Allerdings lässt das Lied offen, wie das denn in dieser Gesellschaft möglich sein soll, wo denn der weitere, freiere Raum sein soll.
Schön ist auch, dass Vedder der Idee des zurück zur Natur, zurück zum Einfachen, eine Absage erteilt. Dem hängen ja viele Menschen an: Ich muss nur den Käfig der Gesellschaft abstreifen und schon werde ich frei sein. Nur, dass es kein solches Außen gibt, wie auch der Protagonist im Film feststellt, zumindest nicht in der Isolation. Menschen bedeuten letzten Endes auch immer irgendwie Gesellschaft. Man kann lediglich versuchen vor der beschriebenen Logik des “Konsums zum Sein” oder des “Seins zum Konsum” zu fliehen. Man trägt die Gesellschaft auch immer in sich. So hatte ich immer die Textzeile “Society, crazy indeed” anders (falsch) verstanden und fand sie in meiner Version auch weitaus treffender: “Society, crazy in me”. Vielleicht würde ich meine Autobiographie so nennen.