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Klingsors Letzter

Archive for März, 2008

Long nights

Ich habe lange kein Lied mehr gehört, das mich so bewegt hat. Aus dem Soundtrack zum Film “Into the wild”: Eddie Vedder – Long nights.

Auch wenn mich der Film nicht so sehr bewegt hat, ist das Lied jedoch vor dessen Hintergrund noch weitaus eindrucksvoller. Vielleicht ist das die beste Szene des Films. (Mal sehen, wie lange dieser Youtube-Link funktionieren wird.)

Halbe Erkenntnis

Das Wesentliche in einer Beziehung ist es, man selbst sein zu können – echt zu sein. Diese Feststellung klingt banal und tausendfach gehört. Doch immer dann, wenn man etwas an sich selbst erfährt, ist es neu und strahlend. Alles andere als diese Echtheit wäre Schauspiel und Rolle, die bei den ersten Ermüdungserscheinungen in sich zusammenfallen wird. Und allein dieses Ganzsein ist so voraussetzungsvoll: Man muss es selbst können, sich selbst kennen – und diese ureigene Echtheit dann auch noch vor anderen bestehen lassen können. Dann erst kommt der Partner ins Spiel. Wenn eins davon nicht gegeben ist, hilft es auch nicht, sich zu zwingen – auch wenn es rational so sinnvoll erscheint. Man kann nicht wollen, was man will.

12 Jahre. Eine (An)Klage.

Ich gebe es zu: Ich habe nur 12 Jahre Schule mitgemacht. Daher bin ich auch dumm geblieben und habe Minderwertigkeitskomplexe.
Eigentlich bin ich nur im Osten geblieben, weil hier die Quote der Wessis so gering ist. Immer wenn ich mit Wessis konfrontiert war, musste ich den Kürzeren ziehen: Einmal redeten wir über die russische Revolution, ich wusste immerhin, dass sie nicht im Oktober stattfand, aber mein gegenüber wusste sogar den genauen Zeitraum und konnte alle Beteiligten und deren Familien mit ihrem russischem Geburtsnamen nennen. So geht es mir immer wieder. Mal ist es das geschichtliche Wissen, mal das Allgemeinwissen.
Warum konnte ich nicht zu der glücklichen Generation Sachsen-Anhaltiner gehören, die 13 Jahre zur Schule gingen? Meine Eltern haben sich auch bei den Offiziellen beschwert und Petitionen eingereicht. Alles vergeblich, die Dummheit der 12-Jahres-Schüler schlug ihnen in allen Institutionen entgegen. Ich hatte mir ernsthaft überlegt, ob ich nicht solange sitzen bleiben könnte, bis das bessere Modell eingeführt wird. Oder ich wäre alleine nach Bayern ausgewandert, hätte mit meinen Eltern eine Wochenendbeziehung gehabt, um mein wichtigstes Schuljahr abzuholen. Aber so bin ich nun in allem gescheitert. Drei Therapien haben nicht mehr geholfen, sieben Jahre Studium auch nicht.
Jahrelang habe ich gegen 12 Jahre Schule gepredigt, aber niemand hörte auf mich, ich hatte einfach nicht die intellektuellen Möglichkeiten mich verständlich zu machen. Daher meine einzige Bitte: Liebe Medien interviewt mich doch! Es reicht doch nicht nur die betroffenen Eltern zu fragen, das kennt man doch alles. Aber hier habt ihr einen Präzedenzfall. Wäre ich nur ein Jahr länger in der Schule geblieben, was wäre mir alles erspart geblieben: der Drogensumpf, die fortgesetzte Sinnlosigkeit, die ständig scheiternden Beziehungen. Was hätte ich alles leisten können: Nobelpreis.
P.S.: Interviewtermine können über die Kommentare abgestimmt werden.

Die Kreativität der Anderen

Oftmals bestaune ich einfach nur die Kreativität Anderer. Es ist ein wunderbares Gefühl zu wissen – es gibt solch kreative Menschen da draußen. Dabei zählt natürlich nur das als kreativ, was ich selbst auch gerne machen würde. Aber hier nun einige meiner liebsten Kreativ-Freude-Momente der letzten Zeit.
1. Auf einem Vortrag erzählte ein Dozent über den ehemaligen CEO des Konzerns General Electric Jack Welch. Er hatte die Angewohnheit, jährlich zwar Leute zu feuern, aber Strukturen intakt zu lassen. Sein so wunderbar treffender Spitzname wurde daher “Neutron Jack” (in Anlehnung an die Wirkung der Neutron Bomb).
2. Herbert Wehner bezeichnete die pietistischen und dörflichen Gegenden Schwabens (und Bayerns) mal zutreffend als “Pietcong”.
3. Auf dem Weg zum Café Wagner befindet sich an einem äußerst hässlichen klobigen Blumentopf der Aufkleber: “Dies ist kein Buga-Projekt.” (Erinnert mich auch an den wunderbaren Aufkleber auf einer Treppenstufe: “Hier entsteht eine Dönerbude.”)
4. Der aktuelle Anlass war die Überschrift eines Artikels in der “Asian Times”, der sich dem Thema widmet, mit welchen Beweisen die USA begründen, dass vom Iran eine Gefährdung für die Welt ausgeht. Der Artikel ist überschrieben mit “The ‘Laptop of mass destruction’”.

Wildes Gewinke aus dem Fragenstrudel

Ich leide weiterhin an fortgesetzter Sinnlosigkeit. Die Frage, warum man das alles macht, ist eine Frage, die immer wieder aus den seelischen Untiefen auftaucht, die aber paradoxerweise erst beantwortet werden kann, wenn sie wieder von selbst untertaucht und man sich nicht hemmungslos dem Fragenstrudel hingibt. Wie sinnlos: Man lebt nur dann gut und glücklich (und oberflächlich), wenn man sich all diese Fragen nicht mehr stellt. Aber kann es denn eine Antwort sein, wenn man einfach nur die Frage vergisst? Oder noch schwerwiegender: Ist die Antwort vielleicht sogar, die Frage zu vergessen?
Das schwierigste an der fortgesetzten Sinnlosigkeit ist, dass man sich selbst nicht hinter seine Tätigkeiten kriegt, dass alles mit dem Fragezeichen der Ablenkung versehen ist. Das ist vielleicht der schrecklichste Verdachtsmoment, den man gegen sich selbst vorbringen kann: Der Verdacht der Ablenkung. Es ist die Unterstellung des Wegschauens von seinem “Wahren” Ich, so als ob dieses irgendwo im Hintergrund schlummern würde und man in all seinen Tätigkeiten leise sein will, um es bloß nicht zu wecken. Es würde vielleicht etwas ganz anderes wollen, wenn es denn aufwachen würde. Und im Stillen hofft man zugleich auch darauf, dass das große, das echte Ich endlich aufsteht und sich all das nimmt, was nicht Ablenkung ist, all das, was es immer schon war, ist und sein wird und dass es dann einen großen Sinn bringen wird, der über das Land geht wie ein langerhoffter Regenguß nach endloser Dürre. Aber all das sind nur die hoffnungsgetränkten Träume des Angeklagten – der Freispruch kommt letztendlich nur durch das Einschlafen der Anklage zustande, durch das Ende der Sinnschizophrenie.
Nachtrag: So und jetzt noch ein überflüssiges Video schauen. Mmh, oder doch nicht?

Belangloses Ruckeln. Der hochgejubelte Film “Once”

Dies ist ein Minderheitenvotum. Der Film „Once“ ist belanglos, banal und kalt. Es ist mir ein Rätsel, was die Jubelkritiker darin sehen. Dazu fünf Anmerkungen:
1. Das Ruckeln der Kamera verkündet mit großer Penetranz: Das alles ist authentisch! Es suggeriert, wir befinden uns direkt auf der Straße, im Nahkontakt mit den Menschen. Wahnsinn! Aber das Wackeln der Kamera ist kein natürliches Ruckeln einer Handkamera, es wirkt in seinem Rhythmus wie computerprogrammiert. Wenn man ein solches Wackeln als Mittel hätte einsetzen wollen, dann hätte man es in einigen Szenen einfach weglassen sollen. Wir befinden uns schließlich in der Nachdogma-Zeit! So ist das automatisierte Kameraschwanken einfach nur anstrengend und überflüssig.
2. Die weibliche Hauptperson ist die kälteste, verkrampfteste und anstrengendste Person, die ich seit langem im Kino gesehen habe. Sie läuft und spricht wie ein Stock zwischen den Beinen. Sie ist penetrant und aufdringlich. Sie kommuniziert mit Sätzen wie: „Erzähl mir etwas über deine Mutter.“
3. Es ist ein Film über Menschen, die ihre Gefühle nur in ihrer Musik ausdrücken können. Denn ansonsten ist der Film so emotionslos wie seine Hauptdarstellerin. Vielleicht ist es daher gerade gut, dass so oft gesungen wird – sonst würde man möglicherweise im Kino erfrieren. Die Schauspieler (sind es welche?) spielen auch nicht, sie bleiben ohne Facetten, ohne Tiefe. – zumindest zeigen sie sich nie, außer in ihrer Musik. Die Musik des Films ist daher an vielen Stellen auch beeindruckend gut. Besonders er ist in diesen Momenten extrem ausdrucksstark. Selbst sie wirkt durch ihr Lied emotional, das sie auf ihrer einsamen Wanderung durch die nächtliche Stadt singt. Die Szene erinnert allerdings sehr stark an „Unfinished Sympathy“ von Massive Attack.
4. Viele Szenen triefen so vor Banalität, dass man sie lange auswringen müsste, um zu ihrem poetischen Kern zu kommen. Dass der Film in nur 14 Tagen gedreht wurde, merkt man deutlich. Er hat auch nur die Tiefe eines 14-Tage-Films. Besonders am Ende des Films, bei den Szenen im Studio. Es ist als hätte man den Schauspielern zugerufen: Improvisiert doch mal „Spaß im Studio“: Was rauskommt ist genau das, was jeder durchschnittlich begabte Mensch sich unter Spaß im Studio vorstellt: Lachen, viele Menschen, großes Durcheinander. Improvisiert doch mal „emotionalen Abschied“: Was rauskommt, ist das, was sich jeder durchschnittlich begabte Mensch unter emotionalem Abschied vorgestellt hätte: traurige Autofahrt, dann das große romantische Urbild am Meer voller Freiheit und Weite. Ach! Der Film zeigt nichts, was man nicht irgendwo schon einmal gesehen hätte.
5. Die Grundidee des Films mag sehr schön sein: Eine Liebesgeschichte zu zeigen, die sich nur zwischen den Zeilen abspielt, die nichts von all den gewohnten hollywoodesken Liebesversatzstücken auffährt, die dennoch die unmögliche Liebe zwischen zwei liebenswürdig normalen Menschen zeigt. Doch der herausgekomme Film ist belanglos. Er ruckelt so vorbei. Und am Ende kann man sich die Frage leicht beantworten, wie oft man diesen Film sich anschauen sollte: Once!