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Klingsors Letzter

Archive for Dezember, 2007

Der Al-Gore-Patch

Für viele Computerspiele gibt es bereits sogenannte Gore-Patches, durch die blutarme Spiele blutiger und ekliger gemacht werden können (engl. “gore” = das Blut; “to gore” = aufspießen, durchbohren). Umweltschützern war das allerdings nicht genug: Sie entwickelten in diesem Jahr sogenannte “Al-Gore-Patches” für bestimmte Spiele.
Angefangen wurde bei dem bekannten Straßenrennspiel “Need for Speed”. Mit dem Al-Gore-Patch können alle Autos nur noch die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten fahren. Sieger ist derjenige, der am wenigsten umweltschädigend fährt. Dafür wurden extra von Al Gore persönlich zahlreiche Tipps für das klimaschonende Fahren eingesprochen, z.B. “Bitte fahren sie am Start langsam an” oder “Motor am besten ausstellen bis es losgeht” oder “Vergessen sie nicht, so früh wie möglich hochzuschalten.”In der Al-Gore-Version wird man auch von der Polizei angehalten und aus dem Verkehr gezogen mit der folgenden Begründung: “Entschuldigen Sie ihr Co2-Emissions-Aufkleber ist leider abgelaufen. Sie dürfen nicht weiterfahren.” Ebenso sind neue Szenarien möglich: Man startet das Spiel und stellt fest, dass ein Losfahren nicht möglich ist, da doch autofreier Sonntag ist oder die Feinstaubbelastung durch andere Spieler zu hoch ist. Dann kann man einen schönen Spaziergang machen oder das Fahrrad nehmen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Al-Gore-Patches für Killerspiele. Dort werden neue Optionen und Begründungsmuster eingeführt, um die Spieler unterschwellig an ihre Pflichten zu erinnern: Bevor man einen Raum verlassen kann, wird noch einmal gefragt, ob man denn auch das Licht ausgeschaltet habe. Im Freien gibt es die Al-Gore-Option: “Sie haben nun schon so viele Menschen/Zombies/Aliens getötet, wollen sie nicht als Ausgleich dafür einen Baum pflanzen?” Außerdem werden auch neue Waffen eingeführt: Beispielsweise der Solarblaster. So kann es vorkommen, dass man in entscheidenden Situationen folgende Meldungen erhält: “Sie können den sie angreifenden Menschen/Alien/Zombie leider nicht töten, da es bewölkt ist. Wollen sie stattdessen einen Baum pflanzen?”

Unicef-Studie zu Kindestötungen

Wenn die Medien über ein Thema berichten und täglich neue Fälle auftauchen, scheint es oft so als sei das Phänomen neu und gerade jetzt sehr akut. In den meisten Fällen besteht es doch bereits sehr lange und nicht selten sinken die eigentlichen Zahlen des Phänomens seit Jahren. So ähnlich ist es auch bei Kindstötungen.

Nicht dass es nicht wichtig wäre, auf diese schrecklichen Fälle aufmerksam zu machen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Es wird allerdings eine schwierige Gratwanderung zwischen einer zu recht aufmerksamen Umwelt, in der sich nicht jeder nur um sich selbst sorgt, und einer zu aufmerksamen Umwelt, die bereits eine Misshandlung vermutet, wenn ein Kind eine Stunde lang schreit (was nicht ungewöhnlich sein muss).
Unicef hat vor vier Jahren das Phänomen Kindestötungen in den industrialiserten Ländern untersucht. Die Studie findet man entweder hier oder in einer sehr guten deutschen Zusammenfassung auf der Seite “Hobbit trotz allem” (leider nur noch im Google-Cache verfügbar). Die Studie stellt zunächst fest, dass die Zahlen nur schwer zu erheben sind, da die Grenzen zwischen Unfall und Mord fließend sind. In Deutschland sterben jede Woche zwei Kinder an Misshandlung, in Frankreich drei, in den USA 27. Im Vergleich zwischen den Ländern ergab sich, dass die Rate an Kindstötungen besonders in Ländern höher ist, in der auch die allgemeine Mordrate sehr hoch ist (Mexiko, USA). Laut Studien aus den einzelnen Ländern kommen auf jeden Kindstod bis zu 1000 misshandelte Kinder.

Die Gründe dafür sind laut Studie: Drogen und Alkohol (besonders in den USA ein großes Problem), Gewalt in der Familie (besonders häufig misshandeln Männer Kinder, die auch ihre Frauen misshandeln) und der vielleicht wichtigste Grund, der mit den beiden anderen Gründen einher- ihnen in vielen Fällen sogar vorausgeht: Armut. Daher ist einer der wichtigsten Vorschläge zur Pr?vention auch “Armutsbekämpfung”. (Wie wäre es beispielsweise mit einer Anhebung der Hartz-4-Sätze an die reale Preisentwicklung?) Ein anderer Vorschlag ist dem Einsatz von Sozialarbeitern und Mitarbeitern der Jugendhilfe einen größeren Stellenwert einzuräumen. Genausowichtig ist jedoch das Problembewusstsein zu erweitern, besonders über den großen Anteil an Gewalt, dem Kinder alltäglich ausgesetzt sind: “Die Aufmerksamkeit darf nicht bei den schockierenden Extremfällen stehen bleiben.”