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Klingsors Letzter

Archive for Mai, 2007

Über das Altern

Hier ist der mit Abstand beste Artikel, den ich seit langem gelesen habe. “The way we age now” von Atul Gawande im New Yorker. Es ist ein wunderbar umfassender Blick auf das Phänomen des Alterns, erst wissenschaftlich, dann menschlich, dann zunehmend auch systemkritisch und philosophisch. Zudem ist er wunderbar geschrieben und spannend angelegt. Und, das ist ja heute recht selten der Fall, man weiß nach dem Artikel weitaus mehr als vorher.

Das ist mir nur gerade wieder eingefallen, nachdem ich mir das neue Politikmagazin im Internet “Der Politiker” angesehen hatte und mit Bedauern feststellen musste, wie wenig journalistisch das Ganze geschrieben ist und auch, wie erwartbar kritisch dort berichtet wird.

Nachtrag: Der hoch gelobte Artikel verliert am Ende (mit dem Auftreten der Figur Silverstone) doch ein wenig an Spannung und Stringenz. Es klingt fast als wäre es nur noch eine Privatepisode. Alles, was vorher so wunderbar zum Gesellschaftlichen verdichtet wurde, wird nun vernachlässigt oder der individuellen Sinnvermittlung überlassen.

Der neue Telekomtarif: Armut@Home

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Idee vom Herrn Thornthrop und mir.

Neues aus dem Schwarzwald

Preisfrage: Warum sollen im Schwarzwald keine Windkraftanlagen gebaut werden?
Antwort von Jörg Döppner, badenwürttembergischer CDU-Landtagsabgeordneter: Die darauf anzubringenden roten Warnlampen würden den Schwarzwald in seiner “natürlichen Dunkelheit” beeinträchtigen.

via Zeit

Erklärung II

Manchmal wünschte ich, ich hätte der Welt noch etwas zu sagen. Doch momentan häuft sich alles so ungemein unaussprechlich, so unöffentlich in mir, dass ich zu dem Glauben übergetreten bin, das es schon genug Unsinn in der Welt, schon genug klug Formuliertes im Internet gibt und ich mir weder anmaßen sollte, den Unsinn zu vermehren, noch das Kluge bloß nachzuplappern. Daher ist es – wie vielleicht einige bemerkt haben – momentan sehr still in diesem Blog.

Das Selbstbewusstsein der Einarmigen

Irgendwann im Leben gewöhnt man sich daran, nur ganz bestimmte Muskeln zu benutzen. Wenn man sie benutzt, wenn man sie zeigen kann, fühlt man sich stark. Wenn es aber einmal, eines Tages, dazu kommt, dass man andere, unentdeckte und untrainierte Muskeln braucht, dann versagt man. Schnell hebt man dann den Kühlschrank mit zwei Fingern an, weil man das ja kann, und vergisst, dass man die Feder nicht mit beiden Händen halten kann.

Rechtfertigungszwang beim Arzt

Ich mag es überhaupt nicht, ja ich hasse es, mich rechtfertigen zu müssen, wenn ich zum Arzt gehe. Es steht dann immer der Verdacht im Raum, dass ich ein Hypochonder sei. Die Unschuldsvermutung gibt es bei vielen Ärzten schon seit langem nicht mehr.
Heute quälte ich mich pünktlich um acht Uhr zum Arzt. Gestern abend war mein Husten so schlimm, dass ich nicht mehr sprechen konnte. Für mich ein offensichtliches Indiz dafür, dass etwas mit meinem Körper nicht stimmte. Daher ging ich zu dem Arzt, der am nächsten erreichbar war: Frau Dr. Bolland. An der Einrichtung eines Arztes erkennt man auch sein Verhältnis zu seinen Patienten. Diese Ärztin hat in ihrer Praxis, die für mich bisher unbekannte Trennung eingeführt, dass die Patienten innerhalb der Praxis noch einmal an einer extra verschlossenen Tür klopfen müssen und dann nach ausreichender Zeit (bis zu einer Minute) gnädigerweise zur Anmeldung bei der Schwester vorgelassen werden. Nachdem ich also zur Präfektin, äh zur Arzthelferin vorgelassen wurde, wurde ich mit dem Satz begrüßt: “Sind sie immer bei uns gewesen?” Ich log unbewusst und richtig. Dann erläuterte ich meine Beschwerden. Sie sagte: “Ich könnte Ihnen einen Termin am Montag geben.” Ich war zugegebenermaßen ein wenig verwirrt. Ich hatte jetzt Beschwerden und wollte sie lindern. Da schob die Arzthelferin süffisant nach: “Oder wird es dann schon vorbei sein?” Bevor ich mich aufregen konnte, nahm sie mein Anliegen an und sagte sie ich solle mich draußen hinsetzen. Nach einer viertel Stunde kam die Arzthelferin und bot mir (unverständlicherweise) an, diese Praxis zu meiner Hausarztpraxis zu machen. Ich solle mich jetzt entscheiden. Leder konnte ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufregen, da ich ja noch von der Ärztin abhängig sein würde. Nach einer dreiviertel Stunde rief die Arzthelferin mich hinein, ich sollte meine Praxisgebühr entrichten. Ich lehnte nebenbei das Hausarztmodell ab. Dann schob sie mir eine Überweisung hin und sagte, ich solle zum HNO-Arzt nebenan gehen. Erneut war ich verwirrt. Die Ärztin sei heute nicht da, entgegnete die Sprechstundenhilfe. Das hat sie wohl vergessen zu erwähnen – vor einer dreiviertel Stunde. Ach wie schade.
Und falls ich vergessen haben sollte, wie diese Praxis hieß, hier noch einmal für alle zum mitschreiben: Bolland. Und wer wissen will, wie man sich dort fühlt, schaue sich dieses Video bis zum Schluss an.