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Klingsors Letzter

Archive for August, 2006

Zitate (VI)

Aus aktuellem Anlaß, weil ich den Grundton immer wieder in Gesprächen heraushöre: Zitate aus meiner Jugend, die noch immer in mir nachklingen.
“Du siehst viel mehr das, was du nicht bist, als das, was du bist.”
“Niemand macht sich mehr Gedanken über dich, als du selbst.”

Der Telefonjoker

Neulich habe ich Klaus Landfried für meine Magisterarbeitsrecherche angerufen. Er war 10 Jahre lang uneingeschränkter Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, 10 Jahre an der Spitze des wohl einflussreichsten Interessenverbandes der Hochschulpolitik, 10 Jahre zerrieben zwischen Konservativität und Modernität.
Als ich ihn also voller Aufregung anrief, ganz zerflossen in dem Wissen, wie schrecklich es für mich gewesen wäre, wenn jemand, nachdem ich in einer solchen machtvollen Position war und ständig die Journalisten von meiner Haustür kratzen musste, wenn also nun jemand meine ureigene Privatsphäre und wohlverdiente Rentenruhe stört, nur weil dieser jemand, dieser poplige Student sich die Nummer aus dem Telefonbuch rausgesucht hat und mich mit seiner nebensächlichen Magisterarbeit belästigt, als ich also in diesem Gefühl dort anrief, stellte ich mir auch vor, wie er gerade beim Abendbrot saß und ich ihn unerlaubterweise dabei störte, in Deutschland soll es ja noch Menschen geben, besonders auch ältere, denen das familiäre Abendbrot heilig ist, im Gegensatz zu all denen, die einfach währenddesssen Fernsehen oder telefonieren, wo die Sitzordnung nicht festgelegt ist, wo nicht alle gemeinsam vom Tisch aufstehen, sondern jeder kommt und geht wie er will, ja, aber die alte Garde gibt es auch noch, da kann man auch nicht so einfach anrufen, da wird dann ganz still gesessen und gewartet, bis das Klingeln vorbei ist, und wenn dann jemand lange klingeln lässt, dann führt jedes Klingeln zu einem kleinen Zucken der linken Augenbraue des Hausherrn, und es herrscht eine drückende Stille, in der alle am Tisch sitzenden ängstlich nach unten schauen und hoffen, dass das Martyrium bald vorbei sei – mit dieser Vorstellung im Nacken rief ich ihn an. Ich wollte es nur dreimal klingeln lassen, um die mögliche Pein für alle Anwesenden so gering wie möglich zu halten. Aber es kam anders.
Er war einer der nettesten, zuvorkommendsten und höflichsten Menschen, mit denen ich je telefoniert habe. Keinerlei Überheblichkeit, keinerlei herablassende Worte, die unseren Status- und Erfahrungsunterschied betrafen. Das ist es auch, was ich an Menschen sehr schätze, wenn sie nicht mehr beweisen müssen, wer sie sind. Und das können gerade viele Professoren nicht.
Das Telefonat war eines der entspanntesten meines Lebens, sicherlich auch weil ich mir durch die obigen Gedanken eine ausreichende Eigenfallhöhe erschaffen hatte.
Früher dachte ich: Macht korrumpiert – Macht macht schlecht. Wer einmal oben war, hat soviel Schlechtigkeiten, soviel Intrigen, soviel Mißgunst erlebt, dass er einfach kein herzensguter Mensch mehr sein kann. Das stimmt nicht.

Urlaub III: Gedankenspiele am Ende

Wenn ich mich heute noch in die Sonne lege, dann kann ich morgen mit einem schönen Sonnenbrand nach Hause fahren. Das ist doch der schönste Luxus: Nach drei Wochen Regenwetter mit einem Sonnenbrand durch Deutschland laufen.

Urlaub II: Das Meer und ich

Das Meer war immer da: Wenn ich aufstand rauschte es schon, wenn ich schlafen ging, rauschte es noch. Nicht dass ich dem Meer irgendetwas bedeutet hätte. Ich glaube, es hätte dies sowieso getan. Aber manchmal hatte ich doch das Gefühl, wir hätten ein tiefere Verbindung.
Die Bucht des Zeltplatzes bestand nur aus Felsen, in die zur Verbesserung der Badequalität (wahrscheinlich für den zweiten Stern) immerhin zwei Metallleitern eingelassen waren. Der Wellengang war aber immer so stark, dass er die Leitern überspülte. Das hatte zur Folge, dass man die Felsen oft auch näher kennenlernte und sie kleine Souvenire in Form von Wunden hinterließen, die man aber erst Tage später entdecken konnte. Es gab Tage, da konnte die Mehrheit von uns (also zwei) kaum noch laufen.
Aber am zweiten Tag ahnten wir das noch nicht und schwammen frohgemut über die Bucht zu einem kleinen Kiesstrand. Vor diesem Strand lag eine kleine baumbewachsene Felseninsel, die zunächst unzugänglich und damit auch herausfordernd erschien. Auf dem Rückweg entdeckte ich endlich eine Stelle an der ein wenig oberhalb der Wasseroberfläche ein Seil zum weiteren Hochklettern befestigt war. Unglücklicherweise war der Wellengang recht stark, so dass man diese höhergelegene Stelle nur schwer erreichen konnte. Ich schwamm trotzdem heran und versuchte an den Felsen halt zu finden. Mit den Händen konnte ich mich gerade so festklammern, mit den Füßen suchte ich noch halt. So hing ich dort einen Moment und krallte mich mit letzter Kraft an den Felsen. Und nun passierte es. Gerade als ich dachte, ich könnte mich nicht mehr halten, kam das Meer zurück und hob mich (fast zärtlich) genau so hoch, dass ich hinauf klettern konnte. Da dachte ich zum ersten Mal über unsere innige Verbindung nach. Das Meer und ich. Ach, was hatten wir uns damals gestritten auf der Fähre nach Finnland, aber nun endlich die langersehnte Versöhnung.
Das zweite Mal war zugegebenermaßen ein wenig anders, aber ich erzähle es der Vollständigkeit halber auch. Wir waren in der kleinen Hafenstadt Lerici und aßen endlich mal italienisches Eis. Entgegen meiner sonstigen Vorlieben, beschloss ich diesmal Schokoladeneis zu probieren. Es war heiß, die Sonne knallte und das Eis schmolz. Und dann passierte es: Ein schwarzer Schokotropfen fiel unerwarteterweise auf meine Hose hinab. Kurzes Wischen half nichts mehr, es war zu spät. Angetrieben von dem diffusen Glauben, das es nach dem Eis zu spät sein würde, lief ich zum Meer und wollte ihn sofort auswaschen. Dort war eine Steintreppe die fast bis ins Meer hinab reichte, aber nur fast. Ich beugte mich hinab und versuchte mit meiner Hand das rettende Wasser zu erreichen. Aussichtslos, es war zu tief. Enttäuscht wollte ich mich schon zurückziehen, als das Meer mir wieder entgegenkam und (fast wissend um die Bedeutung) meine Hand umspülte, so dass ich den dunklen Schokoladenfleck auswaschen konnte. So wurden das Meer und ich Freunde.
Aber nur bis zu dem Zeitpunkt als ich übermütig glaubte, es überlisten zu können und triumphierend auf der gischtumspülten Leiter stand. Solange bis es mir mit einer unerwarteten seitlichen Welle die Beine wegzog. Aber es hatte recht: So etwas macht man ja auch unter Freunden nicht.

Der Blinde und das Meer

Es ist schon bemerkenswert, wie sich der erzählerische Wert einer Geschichte durch Negativität steigert. Meine Erfahrung: Je schrecklicher die erlebte Geschichte, desto besser die erzählte Geschichte. Vielleicht liegt dies aber auch in der Erzählform selbst begründet, eine Geschichte lebt nur durch Spannung, durch Fallhöhe, durch Pointen – also durch das fein austarierte Spiel von Erwartungen und Enttäuschungen, von Flug und Fall.
Eine einzelne Erfahrung, ein kleines Glücks-Gefühl kann dies nicht leisten. Es zu beschreiben, es dem Zuhörer auch nur ansatzweise über den Umweg der Worte fühlen zu lassen, würde weitaus mehr Zeit erfordern, als eine lange, spannungsreiche Geschichte zu erzählen. Es ist der Versuch, einem Blinden die Weite des Meeres zu zeigen.
Spannung ist simpel. Die Wege sind vorgezeichnet, vorgetrampelt. Man rast darauf von Erzählenswürdigkeit zu Erzählenswürdigkeit. Man schichtet mit Worten Treppen für den Zuhörer, nur um sie mit dem nächsten Satz wegzublasen, man erschafft aus Sprungbrettern Galgen und haucht sich durch ein einziges Wort vom Strick.
Kurzum: Man erzählt nur an der Oberfläche, erzählt nur den sichtbaren Sturm, den Wellengang, das Tosen und Brodeln des Meeres, erzählt das Vorstellbare, das Bekannte, das Negative. Es ist wie ein Puzzle, dessen ewiggleiche Teile immer wieder neu angeordnet werden und immer wieder ein neues Bild ergeben.
Aber was unter der stürmischen Oberfläche ist, bleibt verborgen, die Ruhe und Vielfalt, das Eigene, das Besondere. Das, wofür man überhaupt erst einmal Worte und Entsprechung in sich selbst finden muss, um dann eine Ahnung im Anderen wecken zu können. Es ist wie ein Puzzle, bei dem man mit den ureigenen Wortteilen das eigene Bild und zugleich das Bild des Anderen legen soll.
Früher glaubte ich, dass die Sprache dafür ideal sei. Sie berge immer genau jene Tiefe, die der Moment benötigt. Flach im Allgemeinen, tief im Besonderen. Man müsse sich nur die Zeit nehmen, dann könne man über Worte alles, und letztendlich auch sich vermitteln. Das war eine schöne Vorstellung.
Aber man wird sprachmüde. Man läuft lieber auf den Trampelpfaden der Spannung als durch die Minen der eigenen Erfahrung.

Urlaub (I): Die Entscheidung

Früh morgens um 7 Uhr an der Autobahnauffahrt Göschwitz: Wieder stellt sich die Frage, wo wir hinfahren. Eigentlich war Kroatien sicher. Aber durch das zu wohl jeder anderen Uhrzeit sinnlose Argument, dass er noch nie die Strecke durch die Schweiz gefahren sei, bringt ein Mitfahrer eine erneute Diskussion auf. Präferenzen gibt es kaum, alle Argumente gebracht (Regenwahrscheinlichkeit (gering), Preis (hoch), Lebensart (verschieden)). Der Zufall soll entscheiden. Ein Münzwurf für jeden. Am Ende steht es 2 zu 1 für Italien. Und innerlich merken wir, wie das immer bei Münzwürfen und Zufallsentscheidungen der Fall ist, was wir eigentlich wollten: Kroatien. Aber das fanden wir erst später heraus – als wir bereits in Italien waren. In dem kurzen Moment, in dem wir die Zufalls-Entscheidung durch spontane Willensäußerung noch hätten anzweifeln können, rief der Dritte im Bunde euphorisch “Italien” und “Urlaub” und übertönte durch seine Energie unser aller Magengrummeln. Also Italien.

Endlich

Wir entscheiden gleich, wohin es morgen früh in den Urlaub gehen wird. Zur Wahl stehen Ostsee oder Italien. Ich bin gespannt.
Nachtrag: OK. Wir fahren erstmal bis Autobahnkreuz Rosenheim und entscheiden dann, ob Kroatien oder Italien.

Ein trauriger Tag für Jena

Nachdem die große Gegendemonstration mit etwa 1200 Teilnehmern zunächst an der Stadt vorbei geführt worden war, durfte die Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz stattfinden. Das sieht wie ein Kuhhandel aus: Die Gegendemonstranten durften doch ein wenig weiter als erlaubt, dafür durften die Nazis in der Innenstadt schalten und walten, wie sie wollten.
Die etwa 400 Nazis bekamen eine schöne Route zugelost, sie durften in die Innenstadt ziehen, vor dem Universitätshauptgebäude eine Zwischenkundgebung halten, in der die Dolchstoßlegende wieder belebt wurde und das Andenken an einen nicht unterzukriegenden deutschen General aufgefrischt wurde. Und das vor der Universität. Später durften sie auch noch ein wenig vorm Roten Turm über den Paragrafen 130 philosophieren. Sie haben die Innenstadt noch bis 8 Uhr gemietet. Gegendemonstranten sind nicht mehr vorhanden, höchstens 50 verstreute irgendwo.

Nazi-Aufmarsch in Jena

An diesem Samstag soll in Jena eine Nazi-Demonstration stattfinden unter dem Motto “Meinungsfreiheit! - Entweder ganz oder gar nicht!”. Nachdem die Rudolf-Heß-Gedenkveranstaltung in Wunsiedel, wo er begraben liegt, verboten wurde, haben die Nazis mehrere alternative Veranstaltungsorte in ganz Deutschland angemeldet (Fulda, Jena, Berlin, München).
Das Verbot der Stadt Jena wurde vom Verwaltungsgericht Gera abgelehnt. Die Stadt hatte ihr Verbot damit begründet, dass die Veranstaltung ebenjene in Bayern verbotene Veranstaltung sei. Dort wurde die Veranstaltung unter Berufung auf den Paragrafen 130 zur Volksverhetzung verboten (gegen die Verherrlichung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft). Die Stadt Jena hat nun beim Oberverwaltungsgericht Weimar Widerspruch eingelegt. Die Stadt Fulda scheiterte in zweiter Instanz gegen die Nazis, so dass unklar ist, wie das OVG entscheiden wird.
Gegenwärtig wollen die Nazis noch auf dem Marktplatz demonstrieren. Das ist allerdings unwahrscheinlich (tausend Begründungen der Stadt möglich). Wahrscheinlich ist, dass ihre Veranstaltung auf dem Seidelparkplatz stattfindet. In der Innenstadt soll eine große Gegendemonstration auf dem Engelplatz (vor der Post) ab um 12 Uhr stattfinden. Allerdings hat die Antifa ihre Plakate so unverständlich gestaltet, dass wohl niemand weiß, worum es geht. Immerhin diese Seite ist recht informativ. Also am Samstag um 12 auf den Engelplatz!

Die Wahrheit über die Fliegen

Fliegen werden täglich unterschätzt. Dabei haben die meisten Fliegen in unseren Räumen einen Bildungsauftrag. Sie setzen sich dann auf unsere Schulter, auf unser Bein, um uns daran zu erinnern. Wir Ignoranten verjagen sie dann nur.
Es gibt Philosophie-Fliegen, die die ganze Zeit nur Werke von Kant, etwas seltener von Hegel, in Schönschrift auf einer Stelle schreiben. Es gibt Kunstfliegen, die die Konturen von Kandinsky- oder Picasso-Werken nachzeichnen. Seltener sind Geographie-Fliegen, die das gesammelte kartographische Wissen der Fliegenheit in ständiger Reproduktion bewahren. Sie zeichnen Inseln, Berge, Länder in unsere Zimmer.
Früher saßen die Menschen oft stundenlang bei den Fliegen und rätselten, was sie denn zeichneten. Die Fliegen waren sehr geduldige Lehrer, sie zeichneten dasselbe oft tagelang, bis endlich ein kleines Kind ein erlösendes „Kilimandscharo“ ausrief. Man glaubte damals, die Fliegen seien verzauberte Mönche, die ihrem Welt-Entsagungsgebot entgegen den einfachen Bauern helfen wollten. Die Kirche sah das nicht gerne und begann … Aber das ist eine andere Geschichte.
Es gibt natürlich auch Spaß-und Space-Fliegen, die nur Kreise fliegen, weil ihnen früher in den Kifferhöhlen der siebziger Jahre das Gehirn zerbröselt wurde. Aber die meisten Fliegen setzen sich erschöpft nach einem langen Arbeitstag in irgendeine Ecke philosophieren noch ein wenig mit Arbeitskollegen oder lesen ein Buch und schlafen dann ein.

Der Umschwang

Oft suche ich den Moment zu finden, der zwischen zwei grundverschiedenen Bewertungen liegt. Zum Beispiel bei meiner Magisterarbeit: Jetzt, nach einem Monat, höre ich immer wieder “Das ist ja noch viel Zeit.” Ich bin sehr gespannt, wann sich das wandelt – in ein angestrengtes Gesicht, dass sich die Frage fast lieber verkniffen hätte, um dann doch noch spontaner- und damit dummerweise rauszubringen “Uiuiui, das wird aber knapp.” Danke.
Wird es ein schleichender Prozess sein oder wird es wie das kleine Loch in der Staumauer sein: Einer bohrt es vorsichtig mit einem kleinen Zweifel vor und schlagartig wird die Fragemasse so schwer, dass sie in geballter Wucht den Schamstaudamm durchbricht und niemand mehr an sich halten kann mit guten Ratschlägen und wertvollen Tipps und neuen Meinungen.

Nachtrag: Ähnliches ahne ich auch bei meiner jetzigen Frisur, nur unterstelle ich es allen anderen: Sie warten nur auf den zukünftigen Tag, an dem ich genügend Distanz zum Jetzt entwickelt haben werde, damit sie gemeinsam mit mir über mein damaliges unmögliches Aussehen lachen können. Mitterweile kann ich immerhin über den gräßlichen Oberlippenflaum lachen, den ich damals in der neunten Klasse so stolz trug, weil es meine allerersten Barthaare waren. Ich konnte ja nicht wissen, ob sie nach dem Wegrasieren wieder kämen und welch langes Zweifelsmartyrium ich dann auf mich nehmen müsste. Da musste er einfach stehen bleiben und wachsen.

Leichenschändung

Nachdem Jojo das Verhalten der A-Blogger zur neuen Werbeaktion der Bildzeitung schön illustriert hat, ließ mich die greifbare Wirklichkeit dieser Plakate nicht mehr los. Daher starte ich – zumindest in Jena – eine kleine Aktion. Jeder schreibt seine Meinung zu den Plakaten auf die Plakate selbst und unterzeichnet auch höchstpersönlich. Ideal wäre es, wenn die Plakate bald übersät wären mit den Meinungen der Bevölkerung.

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Der Urinstinkt

Das obige Phänomen (dass man zwei Bedeutungen in einem Wort findet) nennt sich Homograph, laut Wikipedia zumindest. Gibt es im Deutschen gar nicht so selten, wie ich dachte.
Hier eine noch unvollständige Liste:
Blumentopferde, Druckerzeugnis, Spargelder, Staatsexamen, Urinstinkt, Regionalligator, Analphabet, Uranus, Lachstürme, Alpenostrand, Wachstube, Staubecken, Betriebsexkursion
Im Englischen ist das zumindest für Domains recht bekannt. Besonders gut eignet es sich, wenn ein Binde-S auf einen “Express” (www.blindsexpress.com) oder “Hit” (www.mp3shits.com) trifft.
Aber hier nun die Klassiker von dieser Seite:
Firstly there is Who Represents?
http://www.whorepresents.com
O?Neill Auto:
http://www.oneillauto.com
Alt, aber mittlerweile wirklich Penisland statt früher Pen-Island:
http://www.penisland.net
Need a (the)rapist? Try:
http://www.therapistfinder.com
Finally we have the Mole Station Native Nursery:
http://www.molestationnursery.com
Auch schön:
http://www.teacherstalk.co.uk/
Frage auf der Homepage dieser Thüringer Firma: Wollen auch Sie sich zu den zufriedenen Kunden von AssClean zählen?
www.assclean.de

Der Film, den ich schon immer drehen wollte

Er beginnt ruhig. Ein paar Bilder im Grünen. Wahrscheinlich im Paradies. Ein Lied setzt ein, noch ist es nur instrumental und nicht zu erkennen.
Die Kamera fährt einen Weg lang, überholt eine Schwangere, schwenkt kurz zu ihr und fährt weiter. Überholt eine Frau mit Kinderwagen, schwenkt kurz zu ihr und fährt weiter. Plötzlich tauchen zwei Frauen mit Kinderwagen vor ihr auf. Die Kamera fährt heran, zoomt auf die Kinderwagen und will abdrehen. Doch dort stehen drei Schwangere. Sie dreht sich um, zwei Kinderwagen wie eine Blockade hinter sich. Dann setzt der Text des Liedes ein, während sich die Kamera langsam dreht.

?Love is in the air everywhere I look around
love is in the air every sight and every sound?
Dann ein schneller Schnitt in MTV-Manier auf eine Studentenparty.
and I don’t know if I’m being foolish
Dann in schnellem Wechsel düstere und zweifelnde Männergesichter.
don’t know if I’m being wise
Die Gesichter hellen sich auf und Lächeln…
but it’s something that I must believe in
f?r den pathetischen Schluss: Lachende Babygesichter
and it’s there when I look in your eyes
Glückliche Babygesichter überall. Die Kamera zoomt heraus und aus den tausend freudigen Gesichtern bildet sich das Wort “Jena”. Darunter der Slogan: “Stadt zum Kind.”

Hass

Mich wundert, dass manche Leute, nicht wissen, was sie sagen. Ihre Worte nicht wählen, sondern herausplauzen, als wären sie leer. Wahrscheinlich sind sie das auch. Aber wenn sie ankommen, füllen sie sich trotzdessen im Ohr des Anderen.
Ein Beispiel, eine Abschiedsfeier. Es begann schon schlecht und es endete noch schlechter. Ich komme an: Ein C-Bekannter begrüßt mich mit den Worten “Was ist denn mit dir passiert, das sieht ja Scheisse aus.” Er meint meine Frisur. Ich versuche es ironisch zu drehen, mache noch einen Witz – er wiederholt dasselbe nochmal. Danke.
Ein wenig später, ich treffe eine alte Freundin. Sie sagt, sie kenne gar niemanden hier. Es stehen zufälligerweise viele Leute herum, die ich kenne. Ich stelle sie ihr mit Namen vor. Nur ein Mädchen kann ich nicht zuordnen. Plötzlich fällt es mir wieder ein – sie war die Schwester eines Bekannten. Erfreut über meine Gedächtnisleistung stelle ich auch sie vor. Da sagt sie: “Wir kennen uns. Ich habe dich mal auf einer Party kennen und hassen gelernt.”
Schweigen. Sie beginnt sich zu entschuldigen: “Tut mir leid – ach stimmt nicht, es tut mir nicht leid.” Ich gehe.
Ein wenig später treffe ich andere Leute, die ebenjene Geschichte schon gehört haben. Sie hatte sie brühwarm weiter erzählt, als wäre es eine besondere Leistung gewesen, etwas Großartiges mir das zu sagen. Sie hatte noch erklärend ergänzt: “Der erzählt nur Scheiße.”
Das Schlimmste und Schönste daran: Ich erinnere mich an sie überhaupt nicht. Gerade das ist es aber, was mir ein mulmiges Gefühl bereitet: Unbegründeter, weil unbekannter Hass.

Nebensächlichkeiten

Heute stand eine rote Rose auf unserem Küchentisch. Eher beiläufig frage ich, ob mein Mitbewohner-Pärchen einen Jahrestag oder sowas hat. Nein, meinen sie, sie heiraten. Am nächsten Mittwoch. Aber das sei nichts Besonderes – eher so als ob man sich in einer neuen Stadt anmeldet. Aha.

Probleme der Telekom

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Komische Entwicklung

Seit einigen Tagen mache ich lieber mousse au chocolat als zu bloggen. Ich stehe dann abends in der Küche und schaue der Schokolade zu, wie sie langsam schmilzt. Dann denke ich ein bisschen an die Französin, für die ich das eigentlich mache, und grübele später, warum ich es ihr auch diesmal wieder nicht geben werde.

Zitate (V): Über die Innovation und die Deutschen

Beim Lesen der tausend (gefühlten hunderttausend) FAZ-Artikel zu Studiengebühren, gab es erstaunlicherweise gestern einen Einzigen, der wirklich großartig war. Leider passte er nicht zum Thema. Aber trotzdessen hier ein paar Zitate einer Amerikanerin (Jean Karen Gregory), die eigentlich über das deutsche Forschungsystem schreibt und letzten Endes zur deutschen Identität gelangt.
„Viele Nichtwissenschaftler, Politiker und Wirtschaftsgrößen haben seit Zunahme der Arbeitslosigkeit die Forschung entdeckt und wollen sie als Allheilmittel einsetzen. Wie es sich gehört, bekommt das Kind einen neuen Namen: Innovation. Doch offenbar gibt es viel mehr Leute, die Innovation vermarkten und verwalten wollen, als Pioniere, die Innovation erzeugen.“
„Alle großen Entdeckungen werden durch Fehler gemacht. Je üppiger die Mittel, desto länger dauert es, de Fehler zu machen.“
„Innovative Ideen sind wie scheue und unberechenbare Tiere. Sie lassen sich nur schwer in ein umzäuntes Gehege sperren und schlachten.“
Sie zitiert ein anderes Buch: „Es ist kaum denkbar (und wird nicht gewünscht), dass eine gute Idee zufällig auftaucht oder von irgend jemandem stammt, der nicht über einschlägige Qualifikationen verfügt. Die Deutschen würden eher auf eine kluge Erfindung verzichten als zuzulassen, dass Kreativität ein zufälliger chaotischer Prozess ist.“
„Freiheit ist mit der Übernahme von Verantwortung verbunden. Deshalb tun sich Deutsche mit der Freiheit so schwer; sie flüchten gerne aus der Verantwortung in ein fast flächendeckendes Dickicht an Vorschriften.“
„Die wichtigste Voraussetzung für die Bereitschaft, Verantwortung für eine Gemeinschaft zu übernehmen, ist in Deutschland auf ein gefährlich niedriges Niveau herabgesunken, nämlich der Stolz. Verantwortung für eine Gemeinschaft wird dann gerne übernommen, wenn die Person auf die Gemeinschaft stolz ist.“
Aber sie warnt vor einer Amerikanisierung des deutschen Bildungssystems: „Dennoch möchte ich vor der Illusion warnen, man könnte Ballett tanzen, weil man Ballettschuhe trägt.“
P.S. Und hier nun das Maximum an Humor, was ich selbst an Bibliotheks-Tagen aufbringen kann: Nach dem anstrengenden Tag kaufe ich schnell noch was ein. Auf dem Nach-Hause-Weg denke ich so für mich: „Ach, bin ich matschig.“ Einen Moment später kreuzt Christoph Matschie meinen Weg.

Nacht- und Nachbarsprobleme

Oft konnte ich früher nicht einschlafen, weil beispielsweise ein Wecker im Zimmer laut tickte. Meist versuchte ich erst, den Wecker wegzustellen. Das half aber nichts – es dauerte keine zehn Sekunden da hörte ich den Wecker in genau derselben Lautstärke wieder. Das Geräusch war in meinem Kopf gespeichert und ich testete dann – besonders auch nachdem ich ihn weggestellt hatte – ob es noch hörbar war. Manchmal hörte ich den Wecker noch, wenn er schon in einem anderen Zimmer stand. So stark waren die psychologischen Effekte der Konzentration auf ein Geräusch.
Aber nun die eigentliche Geschichte. Der Nachbar meiner Eltern pfeift sehr gerne und sehr laut, wenn er im Garten arbeitet. Das macht er eher unbewusst und eigentlich störte es auch niemanden. Bis auf meinen Vater. Der nahm das irgendwann bewusst wahr. Und das Gepfeife zog ihm jedesmal ein wenig schmerzhafter durch den Kopf, bis er kaum noch im Garten arbeiten konnte. Er schimpfte dann jedesmal und unterstellte dem Nachbarn Absicht. Aber das Pfeifen hörte nicht auf. So wurde das Problem letztendlich gelöst: Mein Vater kaufte sich Funk-Kopfhörer, die er bei seiner Arbeit im Garten jetzt immer aufsetzt.

Die Mühen der Ebenen

Im Allgemeinen sagt man ja, dass Ironie sehr schwer bei Menschen zu erkennen sei, die man nicht kennt. Das ist bei mir im Besonderen noch schlimmer. Gestern hatte ich ein schönes Gespräch über diese Außenwirkung. Heraus kam: Es ist für Außenstehende nur schwer zu unterscheiden, was ich ernst meine und was nicht. Und das Ironische dabei: Ich dachte eigentlich ich wäre sehr ehrlich gewesen und hätte ihr schon viel von mir erzählt.
Aber wahrscheinlich bin ich zu schnell zwischen zu vielen Ebenen herum gesprungen, ohne eine wirkliche Gesprächsebene zuzulassen. Vielleicht hatte ich davor auch Angst. Es ist ein Wagnis, sichere Ebenen zu verlassen, nur um dann auf einer anderen Ebene wieder am Anfang zu stehen. Es ist einfacher, jemanden interessant zu lassen, als ihn interessant zu finden.
P.S. Gestern hatte ich einen Blog-Eintrag über Jojo verfasst, der auch in meinen Augen unklar war. Eigentlich wollte ich ihn loben, ich fand seine letzten Einträge wirklich gut, heraus kam nur verschwurbeltes Meta-Zeug, das auch noch ironisch und damit neidvoll interpretiert werden konnte, weil die meisten Leser Lob aus diesem Blog nicht kennen.

Erfahrungen mit Blogstatistiken

1. Es gibt keine Korrelation zwischen der Qualität der Beiträge und der Besucherzahl des Blogs. So sehr man auch daran glauben mag, Zugriffszahlen sind zum großen Teil Zufall.
2. Am Wochenende gehen die Besucherzahlen wider alle Intuition nach unten.
These 1: Bloglesen ist eine Beschäftigung der arbeitenden Bevölkerung und verschwendet jährlich abertausende Millionen Euro an Arbeitsproduktivität.
These 2: Am Wochenende leben die meisten Blogleser wider alle Intuition doch ihr eigenes Leben.

Die schöne Belanglosigkeit

Ich wäre so gerne schwer. Wüsste so gerne tiefes Wasser unter mir, würde so gerne den Raum um mich krümmen. Stattdessen wate ich im seichten Wasser der Skurrilitäten, bin so leicht, dass ich durch mein Wegfliegen den Raum nur erheitern würde.
Ich lalle, wenn mir meine frühere Schwere bisweilen aufstößt. Lalle, als ob ich betrunken wäre, so als ob ich mich vergessen hätte. Ansonsten proste ich allen Lesern nur zu, proste ihnen mit meinen absurden Gedanken, mit meinen nebensächlichen Geschichten zu: Trinkt auch ihr vom Wein der Belanglosigkeit, mein Hirn ist voller Trauben, voller Bonbons, es ist ja Karneval – auf die Schale, raus mit den Leckereien, 50.000 Menschen säumen den Weg, sie alle wollen lächeln, ja, ja.
Endlich, es ist ja auch Sommer und jeder Gedanke ist eine Schweißperle, eine zuviel, wir wollen lieber in erfrischenden Gedanken aus der Leitung duschen. Wir wollen an der lauwarmen Oberfläche der Tiefsee “Toter Mann” spielen, nur um dann von einem nahen Lachen wieder belebt zu werden. Ach. Wir wollen im fensterlosen Bad in der Badewanne stehen und die Marseillaise singen. Aber das nur nebenbei.
Ich wollte schwer sein und wurde nur eines – mit jeder wütend auf den Boden stampfenden Zeile: leichter.

Tödliche Komplimente

Meine Ex-Freundin hatte mir vor etwa anderthalb Jahren eine merkwürdige, kaktusähnliche Pflanze geschenkt. Die Beziehung ging dann auseinander. Die Pflanze blieb. Sie hatte lange kankerartige Triebe und war nicht sehr ansehnlich, weshalb ich sie auch die meiste Zeit – außer beim Gießen – ignorierte.
Neulich stand eine Freundin in meinem Zimmer und starrte ebenjene Pflanze an. “Das ist eine Aloe Vera. Das ist ganz selten, dass die in unserem Klima gedeihen.” Sie erzählte noch, wie nützlich diese Pflanze sei, da sie sich im Urlaub damit immer die Wunden geheilt habe. Aber das nahm ich nicht mehr wahr. Voller Stolz blickte ich auf die gedeihende Aloe Vera. Seitdem nahm ich sie wieder wahr.
Und seitdem geht sie ein.

Der Abend der Wahrheit

Neulich klingelte mein Handy spät abends. Es war eine Freundin, mit der ich vor einer Weile einen Film gesehen hatte – zu zweit, bei mir… Wir waren uns näher gekommen, der Film war zu Ende gegangen, immer näher, wir waren uns so nah gekommen, dass wir uns in einem Metagespräch verloren.
Aber nun klingelte mein Handy, sie fragte, ob sie nicht noch vorbei kommen könnte. Mmh. Sie klingelte etwas später, es war schon Mitternacht. Ich öffnete noch eine Flasche Rotwein und wir redeten, bis sie … *

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