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Klingsors Letzter

Archive for April, 2006

Fremde Welten

An dieser Stelle muss ich alle bitten, die ein schwaches Gemüt haben, mit lesen aufzuhören. Ehrlich, es ist besser. Ich war Zivi im Krankenhaus, ich habe viel Ekliges und Schreckliches gesehen und gehört. Es ist nicht einfach meine Ekelgrenze zu überschreiten. Das folgende aber schaffte es mühelos.
Ein mythisches Rezept gegen postnatale Depression ist es, ein Stück der Placenta, der Nachgeburt, zu essen. Man kann sie auch trocknen und dann als Pulver über das Essen streuen. Wie sie angerichtet wird, weiß ich nicht. Sie wird wahrscheinlich roh gegessen und ist wohl sehr nahrhaft.
Aber wahrscheinlich sind – für Männer – viele Geschichten, die sich um die Geburt ranken, ein wenig fremd. So war mit auch ein wenig mulmig zumute als eine Freundin mir erzählte, dass Sex den Geburtsvorgang beschleunigen kann. Falls die Wehen zu lange dauern, ziehen sich die Ärzte und Schwestern zurück und lassen das Pärchen alleine. Aber sie meinte, bei diesen Schmerzen probiert man alles, was sie verkürzen könnte. Es wäre gewissermaßen Notwehr.

Die Illusion des Originalgenies

Vor einiger Zeit beschwerte ich mich hier, dass manche Menschen versuchen – in meinen Augen – Ideen herabzusetzen, indem sie sagen “Gab’s schon”, sie dann einordnen und zerpflücken. Für mich war das eine Herabsetzung meiner Originalität, an Quellen zu erinnern, die ich nie gelesen hatte und die doch ähnliches gedacht und gefühlt hatten. Heute fand ich heraus, dass diese Vorstellung des authentischen Selbsts, das alles aus sich selbst heraus entwickelt, die Vorstellung des Originalgenies, gerade einmal 200 Jahre alt ist. Sie entstand in Abgrenzung zur Vorstellung und Entwicklung einer emporgehobenen deutschen “Klassik”.
Im Gegensatz dazu hätten sich die Autoren früher gefreut, in einer bestimmten Tradition zu stehen, sie hätten daraus ihren eigenen festen “Standpunkt” gewonnen.
Eigentlich ist es auch eine irrige Vorstellung zu glauben, dass man mehr als einen originalen Gedanken haben könnte. Ein Dozent formulierte es heute so: “Es gibt nicht so viele Gedanken wie Individuen.” Und wenn man auch noch die früheren Individuen dazurechnet… Er fragte dann, warum man heutzutage unbedingt Originalität zum Kriterium eines Gedankens machen müsse, man könnte doch auch wieder Wahrheit oder Schönheit des Gedankens betrachten. Dann würde man vielleicht feststellen, dass ein Leben mit eigenen Gedanken aus zweiter Hand auch gut sein kann, während pures Leben aus erster Hand zerstörend wirkt.
Johnny Cash hat zu diesem Thema ein wunderschönes Lied geschrieben.


Before my time

I know that hearts were loving
Long before I was here
And I’m not the first to ever cry
In my bed or in my beer
There were songs before there was radio
Of love that stays and love that goes
They were writing meloncholy tunes
And tearful words that rhyme
Before my time
Before my time

There were songs in old dusty books
Of love thats always been
Sweet lovers in their glory
Who are now gone with the wind
Old fashion love words spoken then
Keep coming back around again
Nothings changed except the names
Their love burns just like mine
Before my time
Before my time

And in the dim of yesterday
I can clearly see
That flesh and blood cried out to someone
As it does in me
And there was some old song that said
I love you ’til I die
Before my time
Before my time

But what the old time masters had
Is what I feel for you
Love is love and doesn’t change
In a century or two
If someway they had seen and knew
How it would be for me and you
They’d wish for love like yours
And they would wish for love like mine
Before my time
Before my time

Eine Werbung völlig ohne Witz

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Weitere Fragen

Angenommen du wärst Deutscher, wärst du lieber Ossi oder Wessi?
Angenommen du würdest ein Ei essen, würdest du es eher aufklopfen und abpellen oder köpfen und restsägen?
Angenommen du hättest ein Auto, würdest du es eher weiblich oder eher männlich benennen?
Angenommen du wärst ein Außerirdischer und kämst auf die Erde, wärst du lieber Fleischsalat oder Ei in Aspik?

Deine Meinung im Abo

Neulich erreichte meine WG ein Schreiben des Spiegels. Es gehe um die Bewertung der ersten 100 Tage der neuen Koalition – Ihre Meinung ist gefragt. In acht oberflächlichen Fragen sollte man die Arbeit als entweder gut oder schlecht einschätzen. Die Laufzeit der Umfrage (zu den ersten 100 Tagen!) war bis 31.Juni. Als Prämie konnte man ein Probeabo des Spiegels zum Vorzugspreis gewinnen.
Ein ähnliches Schreiben bekam ich auch von der Welt und der Süddeutschen. Dabei geht es aber, wie meine Mitbewohnerin feststellte, nicht um die Umfrage, sondern einfach darum neue Abonnenten zu gewinnen. Und da die Zeit des plumpen direkten Anschreibens vorbei ist, ließ man sich die schicken Pseudo-Fragen einfallen, die niemals irgendjemand auswerten wird.

Dinge, die aussterben: Der Dietrich

Schlösser aufbrechen war ein geheimer Wunsch meiner Jugend. Mit dem Dietrich war das noch für jeden verständlich und machbar. Er war aber nur für das Öffnen sogenannter Buntbartschlösser geeignet. Diese Schlösser werden mittlerweile aber kaum noch eingesetzt, sie wurden durch Zylinderschlösser ersetzt. Und der Dietrich wurde durch die anglophilen “Picks” ersetzt, die es sogar in elektronischen Varianten gibt.
An einer alten Buntbarttür konnte man sich auch noch sinnloserweise mit einer Büroklammer oder einem verbogenen Löffel abmühen, in der Hoffnung, dass es irgendwann doch funktionieren würde. Bei Zylinderschlössern lohnt nicht einmal der Gedanke, dazu braucht man eine richtige Ausrüstung. Diese ist merkwürdigerweise in allen Varianten frei verkäuflich, was man auf dieser Seite bewundern kann: Autos mit Schlüsselsimulatoren, Safes mit Thermolanzen oder Haustüren mit Akkupicks öffnen oder gleich ein Schlüsselkopiersystem für 170 Euro kaufen.

Klingsors letzte Aktionen

Da ja scheinbar in der Blogosphäre Mitmach-Aktionen beliebt sind (siehe Bett, Arsch oder Führerscheinfoto zeigen), bitte ich nun auch um Mitarbeit bei meiner großen Aktion.
Jeder gesteht seine größte Film-Nicht-Seh-Sünde. Ich mache natürlich schlechten Gewissens – wie es sich gehört – den Anfang: Trainspotting. Und etwas schwächer sicherlich: Bube, Dame, König, Gras. (Ganz besonders viel würden beispielsweise “Titanic” oder “Dirty Dancing” zählen.)
Eine andere Aktion, die ich bisher – in Ermangelung von Programm und Messwerkzeug – nur plane, ist, einen ersten Schritt auf Otto Schily, äh Wolfgang Schäuble zuzugehen und schon heute meine biometrischen Daten im Internet zu veröffentlichen. Meinen Blog gewissermaßen zu personalisieren, damit auch jeder nachprüfen kann und weiß, von wem er hier was liest.

Die echte Philosophische Frage

An dieser Stelle eine Aufklärung: Die im nebenstehenden Blog (Jojo) genannte philosophische Frage ist nicht von mir, dafür ist sie viel zu naturwissenschaftlich. Im Endeffekt läuft das ja lediglich auf die Frage hinaus: Willst du ewig leben oder sterben? Ich würde lieber einen Grenzwert haben, da sonst (scheinbar) kein Wert Bedeutung hat.
Meine Frage war vielmehr alltäglicher Natur: Was ziehen Sie sich nach dem Aufstehen zuerst an – Die Socken oder die Hose?
Als mir jemand diese Frage zuerst stellte, dachte ich zunächst auch: Wo ist der Unterschied, wo die Relevanz? Aber in diversen Gesprächen und Aufstehsituationen fand ich heraus, dass man, sollte man in Sockenrichtung tendieren, sich einem langen Moment der Lächerlichkeit und Unästhetik preisgibt. Allerdings ist die Beantwortung der Frage auch von der Beschaffenheit des Bodens und der Jahreszeit abhängig. Und der Anwesenheit anderer.
Aber wenn ich schonmal dabei bin, noch einmal die beste philosophische Frage überhaupt:
“Stellen Sie sich vor, sie werden von Außerirdischen entführt und auf deren Planet gebracht. Wo wären Sie lieber: Im Zoo oder im Zirkus?” (aus einer Seinfeld-Episode) Das könnte auch eine Assessment-Center-Frage sein: Sind sie eher der Entdecker oder eher der Faule?

Französische Mager- und Mastsucht

Bisher dachte ich immer, das Einzige, was Deutschland anderen Ländern voraus hat, wäre die penible Mülltrennung. Dafür werden wir im Ausland ja oft belächelt. In Frankreich fand ich nun aber zwei kulturelle Phänomene, bei denen ich stolz war, dass es so etwas in Deutschland nicht gibt.
Zum einen die öffentliche Propagierung eines Schönheitsideal, das an Magersucht grenzt. In großflächigen Plakatanzeigen (in ganz Toulouse) und sogar TV-Werbespots wird für Abnehmmittel geworben. Immer sind unnatürlich dünne Frauen abgebildet. Inhalt des TV-Spots beispielsweise: Abends im Bett, er fragt sie: Was machst du denn? Sie antwortet: Abnehmen. Folgender Morgen: Sie steht auf und ihre Hose passt ihr nicht mehr.
Zum anderen, wie die Franzosen ihre Delikatessen herstellen. Foie Gras de Canard (Entenstopfleber) ist solch eine Delikatesse, deren Herstellung in Deutschland verboten ist, weil sie gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Die Enten werden in der Mastzeit von bis zu zwei Monaten festgeschnallt und zwanghaft mittels eines Trichters mit einer Getreidemischung durch die Speiseröhre in den Magen “ernährt”. Bedingt durch diese qualvolle Zwangsernährung vergrößert sich die Leber krankhaft (”Fettleber”), ein Effekt, der von französischen “Gourmets” erwünscht ist.
Und jetzt bitte beides zusammendenken: Mädchen und Enten.
Gut, dass wir in Deutschland sind.

Erfahrbar, kaum erzählbar

Nur ein kurzes Beispiel für die unten folgende These.
Es war nur ein kurzer Blick. Das braungegerbte und zerfurchte Gesicht des Franzosen, der entspannt an einem Aufgang lehnte, über ihm das Post-Schild des abgelegenen Pyrenäen-Dorfes. Und dann dieser Blick, der mein Fremdsein spiegelte, nicht negativ, sondern voller Neugier und Offenheit. Der Fremde, der in seinem kleinen roten Auto in Richtung Pass fährt und erst viel später feststellen wird, dass dieser noch winterhalber geschlossen ist. Aber das sagten die Augen nicht.
Für mich war dieser Blick besonders, weil er mich nach Frankreich zurückholte. Das Land durch das ich gefahren war, lag im Nirgendwo, es war so anders, so fremd – so stellte ich mir Alaska oder Kanada vor. Ein kleines fruchtbares, aber kaltes und sonnenarmes Tal. Die Dörfer widersprachen mir erst zaghaft in ihrer steinernen, rustikalen Bauweise und dann laut in diesem einen sonnen- und lebensreichen Gesicht, in diesem Blick.
Das ich dann trotzdem aus Frankreich verschwand und in einem Märchen untertauchte, aus dem mich erst ein (mit Freudenschreien bejubeltes) Vorfahrtsschild erlöste, ist eine andere Geschichte.

Der Fluch des Rückkehrens

Es gibt so viele Geschichten, die nicht erzählenswert sind, aber doch erlebenswert waren und erinnerungswert sind.
(Warum ist das so? Es ist schon schwer bei emotionalem Aufgewühltsein, seine Gefühle so zu vertonen, dass der andere sie verstehen kann. Meist kann er nur das wirklich verstehen, was er an sich selbst erfahren hat, was in ihm anklingt. Wenn aber die Transponierung bereits in Situationen, in denen die Melodie so offenkundig erklingen kann, kaum gelingt, wie kann sie dann im Alltag, in dem zum einen die Gefühle nicht so eindeutig hörbar sind und zum anderen alles auf Pointen, auf Spannung ausgerichtet ist, gelingen?
Wer nimmt sich (als Erzähler) die Zeit, ein Gefühl, eine Stimmung in all ihren Facetten aufzubauen oder (als Zuhörer) vor sich aufbauen zu lassen, ohne dass ein kurzfristiges Amüsement im Vordergrund stünde?)

13 Stunden

13 Stunden Autofahrt würde ich hier gerne beschreiben, aber die französischen Tastaturen verhindern es. Nur soviel: Man kann seinem Koerper stark ueberlasten, den Preis dafuer zahlt man aber in jedem Fall. In meinem Fall nun in Kleingeld.
Nach zehn Stunden Fahrt bekommt man die ersten Halluzinationen: Ich freue mich ueber die Schilder am Strassenrand, die mir verkuenden, wieviele Menschen auf dem naechsten Streckenstueck gestorben sind. Ich sehe ein Renault-Autohaus und wundere mich kurz, weil ich kurzzeitig dachte, ich waere in Italien. Ich sehe den Schatten meines Autos und frage mich, ob es wirklich so lang ist. Gluecklicherweise fahre ich zum Abschluss Richtung Westen, in die tiefstehende Sonne. Ich singe laut die Lieder mit, um bei Bewusstsein zu bleiben. Als das erste Schild mit Toulouse erscheint, schreie ich freudig. Zuguterletzt wollte ich noch einmal entspannt auf Toilette - nach 12 Stunden einfach nur sitzen und vielleicht Zeitung lesen. Doch der Aire den ich anfahre, hat nur das Schrecklichste zu bieten, was man sich in diesem Zustand vorstellen kann: Ein Stehklo. Da war es vorbei.

Was man an Tagen wie diesen – als Pärchen – machen kann

Vorschlag einer Freundin für meinen Mitbewohner: “Sag deiner Freundin doch einfach, sie soll nur ein weißes T-Shirt anziehen, dann lauft ihr ein wenig rum und geht schnell nach Hause.”

Korrektur

Die letzten beiden Einträge stimmen nicht: Sie zeigen nur eine Seite der Medaille, nämlich meine. Leider kann ich es nur schwer ermessen, wie es ist mit Erwartungshaltungen umzugehen, weil ich ja meist derjenige bin, der sie ausstrahlt und andere zwingt, sich damit einzurichten. Es ist eigentlich erstaunlich, wie gut ich bisher trotzdessen damit voran kam. Vielleicht führe ich das später noch etwas mehr aus. Soweit nur erstmal die dringend notwendige Korrektur.

Ohrfeigen

Die wenigsten Ohrfeigen sind körperlicher Natur. Die schmerzhaftesten sind gerade nicht real. Und so wie man Kinder durch echte verliert, so kann man später auch liebgewordene Menschen verlieren: Durch unbemerktes Austeilen oder durch demütigendes Empfangen.

My life as an intermediate man (III) – The End

Es ist immer wieder das Gleiche. Und ich falle immer wieder darauf rein. Es geht um Macht und Erwartungen. Das eine zu beweisen, indem man das andere zerbricht. Es ist so simpel.
Meine Augen spiegeln meine Erwartungen – in jedem verdammten Moment. Ich wünschte ich könnte eine Sonnenbrille, eine verspiegelte, tragen – so wie sie. Aber ich lerne.
Es geht um Verfügbarkeit und Nicht-Verfügbarkeit, um mich und um sie. Es geht um blendendes Begehren, das da sein muss, um die kalte Sonnenbrille aufzusetzen.
Es geht nur darum, das zu verwehren. Auf beiden Seiten. Und sich in die Augen zu schauen.

Der Wunsch, etwas zu sein

An dieser Stelle eine Reminiszenz an Tocotronic: Sie haben bereits vor vielen Jahren ein Thema wunderbar auf den Punkt gebracht. Ihr Lied “Ich möchte irgendwas für dich sein” beginnt mit eben jener Zeile, wiederholt sie mehrfach (wie es sich für ein altes Tocotronic-Lied gehört) und geht dann in die letzte Zeile über: “Am Ende bin ich nur ich selbst.”
Wie oft ist man nur für andere, wie oft ist man nur der Lustige, wie oft nur der Freundliche, wie oft nur der Interessante? Wie oft zeigt man nur einen kleinen präsentablen Teil des Ich-Puzzles? Alles andere wäre nicht zumutbar, alles andere würde verschrecken, man spart es sich auf – für später, für die eine Person, die einen erkennen wird, man spart es so lange auf, bis man es selbst nicht mehr erkennt.
Dabei würde es helfen, wenn man nur häufiger ganze Menschen träfe. Und so langsam lernt, sie als solche wahrzunehmen.

Der befreiende Duschschritt

Es gibt ganz oft Dinge, die man nicht aussprechen kann, die aber trotzdem wahr sind. Besonders deutlich wird das bei Scham- und Intimgrenzen. Je stärker das wirkt, desto befreiender ist es, wenn so etwas einmal ausgesprochen wird. Das können auch nur ganz kleine Sachen sein.
Wieder in der Jugendherberge: Die Duschen waren schrecklich. Sie waren fest installiert, hatten keinerlei Druck und einen Strahldurchmesser von etwa einem Meter. Man stand also die meiste Zeit nur unter einem Teil des Strahls, während der Rest woanders hin plätscherte. So machte jeder seine eigenen Erfahrungen unter dieser Dusche und ich hätte nie gedacht, dass wir jemals darüber sprechen würden. Am zweiten Tag fasste aber ein Zimmerbewohner, die schrecklichste Erfahrung lakonisch in die folgenden treffenden Worte. “Ich brauche hier auch viel länger zum Duschen. Ich habe alleine drei Minuten gebraucht, um die Seife aus dem Schritt zu kriegen.”

Macht durch Ekel

Das Leben erzeugt manchmal mit einfachsten Mitteln komische Situationen. Wichtig sind immer die Protagonisten: Sie sind am besten Antipoden. Und wenn sie es nicht von Anfang an sind, so können sie es doch durch das Insistieren und Verstärken des einen Teilnehmers werden, durch dessen hämische Freude über die gefundene Schwachstelle beim Anderen. Die besten Beispiele dafür geben Gespräche über Ekel. Wenn die Ekelgrenze des einen mit einem Wort oder einem Satz ausgelotet wurde, kommt der Andere in die schöne Position, dass er mit jedem weiteren Satz schöne, aber hilflose Abwehrreaktionen provozieren kann. Und das kann, wenn ein Publikum vorhanden ist, lange Zeit Spaß machen.
Ein kurzes Beispiel: In der Jugendherberge in Eisenach roch es die ganze Zeit nach Scheiße. Der Geruch kam ganz offensichtlich aus einem Gulli, direkt vor dem Eingang. Am letzten Tag konnte man neben dem Gulli einen braunen, lehmigen Rand sehen. Auf unserem Weg hinab rätselten nun zwei Teilnehmer im Vorbeilaufen, was das denn sei. Eine sagte hoffnungsvoll, das sei doch nur Lehm oder etwas ähnliches. Triumphierend aber sagte die Andere: “Nein, schau doch hin, da siehst du doch auch noch Klopapier.” Wahrscheinlich hatte sie recht, aber der Ekel hatte unsere Schritte so beschleunigt, dass wir das nicht mehr sahen.

Zensoren-Wochenende in See-China

Nachdem mein Blog vor kurzer Zeit verloren ging, muss ich nun über eine neue Konzeption nachdenken. Es geschah nämlich als ich die endgültige Wahrheit als Post ins Internet stellen wollte. Der von Google (Blogger gehört dem Monopolisten Google) entwickelte Wahrheits-Engine entdeckte den Fehler sofort und ließ meinen Blog in kryptischen Zeichen untergehen, in der Hoffnung jemand der die Wahrheit posten kann, könne nicht gleichzeitig auch HTML-Skripte lesen. Sie hatten recht. Daher werde ich nun nach See-China (Anagramm!) fahren und studieren, wie man sich gegen die Zensoren zur Wehr setzen kann. Ich werde meinen Blog so konstruieren, dass er nur dann verständlich ist, wenn man aus dem All auf ihn hinab schaut. Oder ich werde geheime Botschaften mit Hilfe der Anfangsbuchstaben der Texte senden. Oder ich werde das uralte Konzept des Text-Primings endlich umsetzen und in meine Texte Worte einpflanzen, die beim normalen Lesen nur unbewusst wahrgenommen werden. Es steht uns also Großes bevor.

Ikarus und ich

Wenn man eine Sonne erhofft hatte und eine Glühbirne geschenkt bekommt – ist das dann besser?

My life as an intermediate man (II)

Manchmal wage ich mich hinaus. Dann erheische ich einen Blick. Es ist nur ein flüchtiger Blick. Und es ist auch nur ein entfernter Gruß eines einst so nahen Mundes.
In nur einem Augenblick stürzt die Wirklichkeit mich, entblößt mich all meiner Hoffnungen und gefällt sich in der Rolle der Wahrheit. Sie sagt: Meine Rolle war schon lange mit Kreide (auf dem Bett – nicht auf dem Bürgersteig) vorgezeichnet. Und so liege ich und atme, was nicht vorgesehen war.

Menschen, die man nur in Deutschland trifft

Ein Umzug in einer schmalen Straße, der Umzugstransporter versperrt die Einbahnstraße. Wir haben alles auf die Straße gestellt, um sie nicht zu lange zu blockieren. Es beginnt zu regnen. Das erste Auto, das kommt: Ein älterer Mann mit seiner Frau in einem luxuriösen Wagen. Er öffnet schon kopfschüttelnd die Tür. Wir sagen ihm, dass wir leider einräumen müssen und bitten ihn wieder zurück zu fahren. Indigniert fragt er, ob wir erwarten, dass er rückwärts die Einbahnstraße zurückfahren soll. Dann sagt er betont: “Das mache ich nicht. Machen sie die Straße frei.” Wir deuten ihm an, dass wir einräumen müssen. Mantraartig beginnt er daraufhin die folgenden (typisch deutschen) Sätze zu wiederholen: “Sie können mich nicht zwingen, gegen die Regeln zu verstoßen. Ich rufe jetzt die Polizei.” Wir machen ihm Platz, obwohl das ein Fehler war. Er hätte seine Drohung wahr machen sollen. Wenn er immer damit durchkommt, wird er sie und sich nie in Frage stellen.

My life as an intermediate man

In the morning I wake up. I prepare myself in the bathroom. I eat breakfast. I wait, listen to music. I eat lunch. I take a nap. I write a poem like this. I wait, call somebody. I have supper. The doorbell rings. I am intermediate. I sit on the bed, lie down. I fall asleep.