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Klingsors Letzter

Archive for Januar, 2006

Schlüsselmomente

Manchmal gibt es Schlüsselmomente in zwischenmenschlichen Beziehungen. Das sind Momente, in denen man das Gefühl hat, nicht mehr nur klopfend vor der Tür zu stehen, sondern die Person selbst zu sehen. Oder zumindest zu sehen, was die Person von einem denkt. Im Alltag spricht man ja nur durch die Tür, ohne den anderen je wirklich zu sehen.
Diese Momente sind genauso oft ernüchternd wie fehlinterpretiert. Ein einziges falsches Wort, eine einzige Geste, ein einziger Nicht-Blick kann sich tief eingraben und später, wenn es darauf ankommt, nicht mehr zu bergen sein.
Ein wirklich banales Beispiel: Wir gehen zu viert in der Mensa essen: Mein Mitbewohner, seine Freundin, eine Freundin seiner Freundin und ich. Eigentlich kenne ich nur meinen Mitbewohner gut. Er kommt ironischerweise zuletzt. Zuvor bin ich mit der Freundin seiner Freundin am Tisch und smalltalke. Sie hat ein Tetrapak Saft geholt, aber nur ein Glas für sich. Die Freundin meines Mitbewohners kommt hinzu und sieht, dass keine Gläser da sind. Sie läuft nochmal los und überlässt uns unserem Smalltalk. Und nun: Sie kommt wieder mit zwei Gläsern. Ich hätte das nicht thematisiert, mein Mitbewohner jedoch schon. Sie sagt nur, dass sie dachte, ich wollte nichts trinken.
Das war so ein Schlüssel-Moment, auch wenn oder gerade weil ihr Verhalten so willkürlich und unnachvollziehbar erschien. Die ganze Szene war so unscheinbar, so unverhältnismäßig unbedeutsam, um daran eine ganze Freundschaft festzumachen. Trotzdem steht dies nun zwischen uns, weil es wie der passende Schlüssel zu dem Raum einer Nicht-Beziehung erscheint.

Drogen

Manche Beziehungen sind wie Drogen. Wenn sie da sind, ist man high. Wenn sie fehlen, fällt man in ein Loch. Doch das Gute daran: Man kann sich emanzipieren, indem man sie und sich weniger wichtig nimmt.

Das Ende von etwas

Manchmal hat der andere im Gespräch ein Messer in der Hand. Man merkt es lange nicht, erst dann, wenn er die Hand wieder zurückzieht und man das Messer spürt. Man muss dann stehenbleiben und ganz normal weitersprechen, auch wenn jedes weitere Wort das Messer nur noch tiefer reintreibt.

Deine Spur. Hier und Jetzt

In letzter Zeit ist es für mich fast zur Sucht geworden, jeden Tag zu schauen, wieviele Hits mein Blog hatte. Diese Sehnsucht befriedigt der Blogcounter sehr gut. Zudem gibt er mir sogar zusätzlich die Logs an, die Adressen der Betrachtenden. Heute beispielsweise hatte ich einen Besucher aus Ottawa in Kanada, der merkwürdigerweise meinen Namen sogar bei Google gesucht hatte und auf einen englischen Eintrag antwortete. Ich hatte mich schon über die neue Internationalität gefreut, bis ich feststellte, dass es eine Freundin war, die scheinbar spontan nach Kanada gereist ist. Diese technische Überwachung, bzw. das Spurenhinterlassen ist schon beunruhigend. Doch das allerschlimmste daran war, dass ich es wissen wollte und stolz war, als ich es herausgefunden hatte.

Mangelhafte Vorratswirtschaft

Tragischer Moment: Meine Weihnachtsschokolade ist nun alle. Sie hat nicht einmal einen ganzen Monat gehalten. Lediglich eine Chili-Mandel-Schokolade habe ich noch. Und die kann man nicht so einfach essen.

Engel mit drei Flügeln

Die Vorstellung ist weit verbreitet, dass Beziehungen nur der Selbstvervollkommnung dienen. Ein sehr einleuchtendes Bild dafür bietet die Engelsmetapher: “Wir sind Engel mit nur einem Flügel, um fliegen zu können müssen wir uns umarmen. ”
Gestern endlich entdeckte ich durch die Ausweitung dieses Spruchs, was ich bei einigen Beziehungen befürchte. Dort wird dieser Spruch angenommen und die Selbstvervollkommnung durch Selbstbespiegelung errreicht. Der andere ist dann der Spiegel des eigenen Flügel und man glaubt mit dem neuen zweiten Flügel endlich fliegen zu können. Dabei ist es für die meisten nur der erste Moment, dass sie überhaupt gespiegelt werden. Das Glück des Spiegels wird zum Glück der Beziehung. Die Beziehung gibt letztendlich Sicherheit über sich selbst, die man sich selbst nicht geben konnte.
Es ist aber auch nicht so, dass man sich formt und formt und wenn man fertig ist, ein fertiger Mensch, kann man endlich ins Leben entlassen werden und eine Beziehung beginnen. Sicherlich bedeutet Beziehung auch aneinander zu wachsen, aber nicht um der eigenen Unvollkommenheit wegen, sondern weil die Beziehung mehr will und mehr wird, als beide Eigenheiten zusammen sein können. Es ist, um im Bild zu bleiben, als würde man den eigenen zweiten Flügel mit dem Flügel des anderen verwachsen, sie ineinander verwurzeln. So zu fliegen wird unmöglich.
Das alles hat Rainer Maria Rilke schon einmal schöner formuliert. Daher nun als nächster Eintrag ein Rilke-Zitat, das nur für sich allein stehen kann.
(Auch wenn ich der Absolutheit mit der das Lernen nur bei sich selbst stattfinden soll, nur bedingt recht geben kann. Aber der letzte Ausdruck trifft sehr genau den Kern des Liebens: “Welt zu werden für sich um eines anderen Willen”)

Lieben

“Zu lieben ist gut: denn Liebe ist schwer. Liebhaben von Mensch zu Mensch: das ist vielleicht das Schwerste, was uns aufgegeben ist, das Äußerste, die letzte Probe und Prüfung, die Arbeit für die alle andere Arbeit nur Vorbereitung ist. Darum können junge Menschen, die Anfänger in allem sind, die Liebe noch nicht: sie müssen sie lernen. Mit dem ganzen Wesen, mit allen Kräften, versammelt um ihr einsames, banges, aufwärts schlagendes Herz, müssen sie lieben lernen. Lernzeit aber ist immer eine lange, abgeschlossene Zeit, und so ist Lieben für lange hinaus und weit ins Leben hinein -: Einsamkeit, gesteigertes und vertieftes Alleinsein für den, der liebt. Lieben ist zunächst nichts, was aufgehen, hingeben und sich mit einem zweiten vereinen heißt (denn was wäre eine Vereinigung von Ungeklärtem und Unfertigem, noch Ungeordnetem -?) , es ist ein erhabener Anlass für den Einzelnen zu reifen, in sich etwas zu werden, Welt zu werden für sich um eines anderen Willen, es ist ein großer, unbescheidener Anspruch an ihn, etwas, was ihn auserwählt und zu Weitem beruft.”
Rainer Maria Rilke, Briefe – Erster Band

Folter und danach

Bei der Süddeutschen gibt es heute ein sehr interessantes Interview (http://www.sueddeutsche.de/,tt2m2/ausland/artikel/273/68205/). Der ehemalige islamische Militärkaplan der Gefangenen von Guantanamo wird befragt. Er war bei der US-Armee angestellt, wurde dann aber ungerechtfertigterweise verdächtigt spioniert zu haben und für insgesamt 76 Tage in Einzelhaft gehalten. Was mich zunächst erschreckt hat, war, welche extremen Foltermethoden demokratische Staaten entwickeln. Ich dachte schon Waterboarding wäre das Extremste, ich dachte Lichtentzug und Einzelhaft wären schlimm. Was ihm nun geschehen ist, hat mich erneut schockiert. Er wurde mit der Methode “Sensory Deprivation” behandelt. Das bedeutet, dass man Ohrenschützer und eine geschwärzte Brille aufgesetzt bekommt. Man wird mit einfachsten Mitteln von seiner Umwelt abgeschnitten, wird auf sich selbst zurückgeworfen, weiß nicht, was um einen passiert. Falls man auch noch gefesselt wird ist man wie in einem mentalen Käfig gefangen.
Was nun aber interessanter und weniger schockierend war, war die Art und Weise, wie der Militärkaplan darüber sprach. Der Reporter stellte ihm ganz offensichtlich sehr aggressive Fragen, die in die Richtung gehen sollen “Verurteilen sie doch mal ihren ehemaligen Arbeitgeber.” Dazu ließ er sich nie hinreißen, selbst nachdem, was ihm passiert ist: 76 Tage zu Unrecht gefangen gehalten und gefoltert. Er sieht das ganze als “groben Justizirrtum”. Er hätte sein gesamtes Weltbild revidieren müssen, sein gesamtes bisheriges Leben leugnen müssen, wenn er eingesehen hätte, welch schreiende Willkür und Ungerechtigkeit im gesamten Militärapparat dieses demokratischen Regimes steckt. Eher sortiert man das Geschehene in Kategorien ein, die man kennt, auch wenn sie vielleicht auf diese extremste Situation überhaupt nicht passen.
Er hätte zu einem Kämpfer gegen das System werden müssen. Aber er war schon so lange drin, dass er alles erkannte und als notwendig hinnahm, weil er es selbst auch schon gesehen oder getan hatte. Daran erkennt man, warum es so wenig Kämpfe heutzutage gibt.

Ein sauberer Blog

Nur nebenbei: Ich habe es Timo Hildebrand, dem Torhüter des Vfb Stuttgart nachgemacht und ihn übertrumpft. In der Saison 2003/2004 kasssierte er in zehn Spielen kein einziges Tor. Bei den letzten elf Blogeinträgen kassierte ich nicht einen einzigen Kommentar. Ich habe meinen Blog sozusagen saubergehalten und das auch viel länger als die lumpigen 90 Spielminuten. Im Internet könnte jederzeit jemand kommen und einfach einen Kommentar auf meinem Blog versenken. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Jederzeit – also auch gerade jetzt.
Noch etwas nebenbei: “Jetzt” ist ein sehr interessantes Wort. Geschrieben verliert es seine gegenwärtige Bedeutung für den Schreiber und wird zur Gegenwart des Lesers. “Jetzt” birgt somit eine riesige Zeitspanne in sich.

Nachtrag zum Beziehungsverhältnis

Eine kleine Kategorie hatte ich vergessen: Es sind die Unentschlossenen. Sie können sich zwischen zwei Jobs entscheiden, wollen sich aber erstmal nicht festlegen. Schnuppern mal in den einen Job rein, dann mal in den anderen.
Da offenbart sich letztendlich eine große Schwachstelle des Vergleichs: Bei Arbeitsverhältnissen gibt es das selten, bei Beziehungsverhältnissen schon viel häufiger – die Wahl zwischen zwei offenen Stellen. Und auch wenn man als Firma weiß, dass diese schwankenden Arbeitnehmer nicht zuverlässig sein werden, setzt man doch alle Hofnung in sie, lernt sie an und versucht ihnen eine schöne Zeit zu machen. Bleiben werden sie letzten Endes nur selten.

NischenMiss Deutschland

Bei Misswahlen gewinnen meist Frauen, die nicht oder eben nur oberflächlich schön sind. (siehe die neue Miss Deutschland: www.daniela-domroese.de) Im Grunde sind solche Misswahlen Nischenveranstaltungen, die für den kleinen auserlesenen Zirkel der Frauen und der Jury veranstaltet werden. Die meisten gut aussehenden Frauen halten nichts von solchen Wettbewerben, weil sie zum einen ihre Schönheit nicht verkaufen wollen (idealistische Variante), von ihrer Schönheit nichts wissen (romantische Variante) oder weil sie es unschön finden nur auf ihr Aussehen reduziert zu werden (psychologische Variante). Daher rekrutieren sich solche Misswahlen immer nur aus den gleichen Kadern und spiegeln nur die Schönheits-Vorstellung dieses eingeschränkten Klientels wider. Das ist immerhin weltweit so – so dass sich die Nischen-Misses immerhin untereinander zu Recht vergleichen können.

Emotionale Haustürgeschäfte

Was machst du, wenn das Leiden mit glockenhellem Lachen an deiner Tür klingelt? Machst du auf und lachst solange mit, bis du selbst auch glaubst, dass es eine Verwechslung sei und anders käme? Oder versteckst du dich hinter deinen grauen Alltagsgardinen, hinter den Sicherheitsschlössern der Routine?
Meine Tür ist nun schon offen, voller Hoffnung und Glauben.

Morgenworte

Die Regel des ersten Wortes beschreibt den Moment, in dem man zum ersten Mal an einem Tag mit jemandem spricht. Häufig ist es nur ein kurzes Wort wie “Morgen”, aber es durchbricht das nachtlange Schweigen der Stimme. Es ist bei mir oft wie das Gefühl, wenn man Walkman hört und dann normal laut sprechen soll. Man weiß nicht genau, wie die eigene Stimme dann klingt. Außerdem ist es, für mich als Single jedenfalls, der erste bewusste Kontakt nach außen, das erste Akzeptieren der üblichen Wirklichkeit jenseits meines Zimmers. Meist bin ich beim ersten Gespräch, sollte es über “Morgen” hinausgehen, noch verwirrt, weil ich in der eigenen Sphäre kein Gespräch am Laufen halten muss und nicht auf irgendwelche Fragen reagieren muss. Das Soziale überfordert mich nach dem antisozialen Schlaf. Daher ist es besser wichtige Gespräche nicht unausgesprochen früh zu führen.

Nett und schuldig

Manchmal macht man Dinge nur um nett zu sein. Neulich hatte ich mein Fahrrad an einer Uni-Wand abgestellt. Ich kam von außen, ging an der Wand entlang darauf zu. Da öffnete ein C-Bekannter ein Stückchen vor mir die Uni-Tür und hielt sie penetrant für mich offen. Ich schaute ihm im Gehen in die Augen und wollte andeuten, dass ich gar nicht dahinein wolle. Da es aber wie gesagt ein C-Bekannter war, wollte ich auch nicht soviel mit ihm reden. Daher entschloss ich mich spontan, dass es einfacher sei einfach reinzugehen. Ich dankte ihm im Vorbeigehen und ging hinein. Allerdings musste ich dann drinnen warten, bis er draußen verschwunden war. Dummerweise lief er genau den Weg, den ich auch mit dem Fahrrad fahren wollte. Ich wartete also noch.
Im Gegensatz dazu stand eine Episode in einer Kaufhalle. Ich hatte bevor ich in die Kaufhalle ging, noch an eine Freundin gedacht, bei der ich mich in diesem Jahr noch gar nicht gemeldet hatte, und überlegt, wie ich ihr trotz dieser Schuld begegnen würde. Prompt sah ich sie schon direkt vom Eingang des Supermarktes an der Obsttheke mit dem Rücken zu mir stehen. Ich überlegte kurz und entschied mich, dass die Situation zu kompliziert sei und ich sie vermeiden wollte. Strategisch überlegte ich, wie ich an ihr vorbei zur Kasse kommen konnte. Ich wollte eigentlich nur Brot und Bier kaufen. Das Brot lag ideal, das Bier nicht. Daher ging ich noch einen weiten Schlenker und erinnerte mich, dass ich noch Feta brauchte. Schnell ging ich auf dem Rückweg an der Obsttheke vorbei zum Bier und dann zur Kasse. Aber ich hatte nicht mit ihrer Beweglichkeit gerechnet. Dort stand sie schon. Schnell bog ich in die Süßigkeitenreihe ein und erinnerte mich, dass ich auch noch ein Glas Gurken wollte. Also dorthin. Dann stellte ich mich abwesend zu Boden blickend in die entgegengesetzte Schlange. Und hatte Glück, sie sah, als sie vorbeilief, nicht in meine Schlange.
Es ist schon schlimm, wohin Schuldgefühle einen treiben können.

The Brainwash-Countries

There are a lot of these countries that have a brainwashing effect on the minds of young delivered souls. First there are the United States. If you send your small 16- or 17-year old children there, it depends only a little on their individual constitution, that they are becoming affected by their new parentless surrounding. They start waving the american flag in their head, the american lifestyle gets into their head without any compromise.
Well that’s not only an american thing, it’s a general tendency. Germans tend to send their children abroad for getting to know another culture and another language. But besides these children are not mentally strengthened enough to stand that journey. In earlier times you had to cope with your own german world, you had to struggle with all that, there was no escape and that was the best thing that could happen. Abroad is another world, a better world, no fights, just visit. This leads to an idealised idea of that country and a yearlong yearning for going back. All memories are goldened. Well, this must not define their later life. But in some cases it does, especially in the American and in the Israelian. There are crude glorifications in need to stand against all the latent hostility. Of course it’s not real hostile behaviour that they feel offended by, but these countries regard themselves often as misunderstood and misinterpreted by the media or by the simple man on the street. So these former children have to fight for their beliefs, for this one world that first gave them a shelter in this harsh ignorant world.

Das Leben einer CD

Vor einer längeren Weile habe ich einer Freundin in Frankreich eine CD geschenkt. Nun schrieb sie mir über die Lebens-Geschichte dieser kleinen CD. Und da ich dies so schön finde, will ich es hier einmal veröffentlichen.
… bald darauf tanzte sie einem derwisch gleich im dafuer vorgesehenen geraet. es ist allerdings nicht uebermittelt ob auch sie auf diese weise erhebende geisteszustaende kennenlernen konnte. manchmal streubt sich die kleine cd ein wenig und mag nicht immer tanzen wenn ich sie dazu auffordere, aber mit sanftem blasen auf ihe spiegelflaeche kann ich sie meist umstimmen, allerdings musste ich auch schon einige male zu haerteren methoden greifen und sie mit schlaegen auf den geraetdeckel antreiben. diese neue generation von cds haelt einfach nicht mehr so viel aus wie die alte, die hat ja den krieg nicht erlebt. oft drehen wir uns auch gemeinsam, sie und ich. das gibt uns das flauschige gefuehl irgendwie zusammen zu gehoeren, dann fuehlen wir uns weniger verloren auf der welt und das ist dann schoen. ich habe auch das papier ihrer huelle entfernt, da dort keine notizen oder hinweise notiert waren. so kann sie rausschauen die kleine und langweilt sich nicht so sehr, waehrend ich auf arbeit bin. mitnehmen moechte ich sie lieber nicht. wenn sie den ganzen tag in meiner tasche herumgeschuettelt wuerde, koennte sie sich womoeglich noch eklige krazer einfangen und muss sich den rest ihres lebens mit haesslichen narben drehen, ueber die sie immer wieder stolpern wuerde. ich habe sogar schon von cds gehoert, die wegen ihrer narben ploetzlich unkontrollierte sprungreflexe entwickelt haben oder sich ueberhaupt nicht mehr drehen konnten und schliesslich daran verstorben sind. wenn meine kleine solch ein schicksal treffen wuerde waere ich sehr traurig, denn ich muesste mich dann wieder ganz alleine drehen. da verliert man sicher schnell den rhythmus und faellt am ende hin.

Begrüßungen

An den Begrüßungen von Menschen kann man sehr gut ihr Verhältnis ablesen. Am deutlichsten wird das zunächst durch die körperliche Nähe. Keinerlei Körperkontakt ist besonders in meinem Umfeld ein Zeichen dafür, dass man sich eher flüchtig kennt, immerhin gerade soviel, dass man stehenbleibt um zu sprechen. Es ist der Ersatz für das eher seltene Händeschütteln. Das erinnert immer an die Geschäftswelt oder an Über-Vierzig-Jährige. Dafür wurden aber viele coolere Varianten eingebürgert: Das Abklatschen mit zusätzlichem Schnipsen oder ähnliches. Das zeigt auf jeden Fall eine etwas engere Beziehung an, auch wenn sie unter dem Makel der Oberflächlichkeit steht. Meine liebste Begrüßungsvariante ist eigentlich das Umarmen, was für eine enge Freundschaft steht. Allerdings ist das Umarmen schwierig zu etablieren. Zum einen zwischen Männern, wo es für die meisten offensichtlich zu viel Körperkontakt ist, und zum anderen von Männern zu Frauen, wo es vielen Frauen unangenehm ist, so berührt zu werden, da es immer auch eine sexuelle Komponente haben kann. Es gibt dabei aber verschiedene Stufen des Sich-Drückens. Dabei kommt es eigentlich zumeist auf die Fußstellung an: Je näher die Füße beisammen sind, desto inniger ist die Umarmung. Normalerweise sperren aber besonders Frauen mit ihren Schultern oder durch vornüber beugen den anderen ab, um eine Berührung von Brust und Brust zu verhindern. Diese Umarmung ist dann eher freundschaftlich. Eine innige Umarmung im Alltag, ein Sich-Fallen-Lassen, kann hingegen schon weiter reichende Konnotationen haben.

Der Eissturm

Gestern ging ein Eissturm über Deutschland. Die Temperatur sank innerhalb von wenigen Minuten unter den Gefrierpunkt. Das ist für alle rational Beteiligten (Autofahrer, Fußgänger, etc.) unschön, aber für alle emotional Beteiligten ein schönes Spiegelbild des Abends. Ähnlich wie in dem sehr schönen Film “Der Eissturm”, friert der Eissturm die Wirklichkeit ein, zeigt sie in ihrer eigentlichen Kälte und zugleich gibt er der größten menschlichen Chance Raum: Der gegenseitigen Wärme. Ein Mangel daran strahlt umso schmerzlicher an diesem Abend.
Das Pärchen, dass sich wie in einem Deja-vu zu uns gesellt hatte, hielt den Kern ihrer Wärme gut verborgen. Sie wollte keine Kompromisse, er sich nicht preisgeben. Und wie der Eissturm aufzog, zog auch die Kälte in ihnen auf. Und gefror die Trauer darüber, keine Wärme zu haben.

Vertönte Wirklichkeit

Es gibt nun schon seit längerem ein Revival der Idee des guten alten Walkman. Der Discman war der Tiefpunkt der mobilen Musikindustrie, jetzt mit den neuen MP3-Playern lebt diese Tradition wieder auf. Was ich mich aber die ganze Zeit fragte war, was der Unterschied zum normalen Laufen sei.
Neulich sah ich Hana-Bi, einen ziemlich brutalen Film. Hier nun das Ende: Nach einer langen aber auch schönen Reise mit seiner krebskranken Frau kommt der Hauptdarsteller zu einem traumhaften japanischen Strand. Es ist der Höhepunkt ihrer Reise zu zweit, die er ihr geschenkt hatte, da sie nicht mehr lange zu leben hatte. Man sieht wie er zwei Kugeln in seinen Revolver lädt. Dann schwenkt die Kamera ganz zu den beiden. Ein Kind rennt am Strand entlang mit einem Drachen, sie blickt ihn an und sagt lächelnd: “Ich danke dir” und man spürt, dass damit alles gemeint ist, die ganze Reise, alles, was er für sie getan hat. Und nun die Musik. Die Musik passt zu dem Kind mit dem Drachen, es rennt fröhlich und beschwingt. Es ist freudige, unbedarfte Musik, die erklingt, alles ist in Ordnung. Die Kamera schwenkt langsam von den beiden weg und über das Meer. Dort ruht sie einen Moment, bis die beiden Schüsse ertönen und die Musik erstirbt.
Bisher dachte ich immer, dass der Unterschied zwischen beschalltem und unbeschalltem Laufen wäre, dass man beim einen den Soundtrack zu seinem Leben hört, dass das einen aus der Masse erhebe. Aber vielleicht ist das nicht der entscheidende Unterschied. Das entscheidende könnte sein, dass man seine Musik auf die komplette Umgebung legt, sie damit zudeckt, ihr fast die eigene Perspektive raubt. Sicherlich würde es passen, wenn man durch ein dunkles einsames Haus läuft und ruhige und bedeutungsschwangere Streichermusik hört. Aber diese Kongruenz ist nur selten zu erreichen, zumal nur wenige Beispiele so eindeutig sind. Der Unterschied ist also, dass man der Umwelt ihre natürliche Tonung nimmt und eine eigene darüber legt. Sich zumeist sogar bewusst aus der Umwelt ausklammert und sie nur noch in der eigenen Färbung wahrnimmt.

Das Liebes- und Arbeitsverhältnis

Das wirtschaftliche Denken durchstrahlt alles und macht auch vor der Liebe nicht halt. Dieser Gedanke ist alt. Schön ist es aber trotzdem ihn ab und an zu verwirklichen. Er treibt die schönsten Blüten, solange man die Äußerung nicht als Überquerung des Rubikon begreift.
Mit den Beziehungen ist es so wie mit der Arbeit.
Da gibt es zum einen die Langzeitbeziehungslosen, die manchmal ein Vorstellungsgespräch haben, aber auf die Stelle einfach nicht passen. Die meisten haben sich schon soweit mental von der Arbeit entfernt, dass sie kaum noch die Anstrengungen aufbringen eine Arbeit anzunehmen oder geschweige denn die Fähigkeiten behalten. Für sie wäre der Hartz-IV-Zwang sehr hilfreich, weil sie gezwungen würden sich mal eine neue Beziehung anzuschauen. Dann gibt es die Beziehungshopper. Diese springen unbeständig von einer zur nächsten Arbeit. Sie bleiben aber solange meist bei einer Arbeit oder einer Firma angestellt, bis sie einen neuen Job in Aussicht haben. Dann wechseln sie ganz schnell. Und zuguterletzt gibt es das gute alte Normalbeziehungsverhältnis. Man fängt meist in einer Firma an, lernt dort von Grund auf alle Fähigkeiten und bleibt dann dort sein Leben lang. Diese ursprüngliche Version stirbt aber aus. Immerhin hält sich bei vielen noch die Illusion später ein Arbeitsverhältnis zu finden, das ein Leben lang hält. Und falls diese Arbeit dann doch zu langweilig sein sollte, kann man immer noch nebenher eine kleine Nebenbeschäftigung aufnehmen und sich ein stärkendes Zubrot verdienen.

Die Gegenwart der Vergangenheit

Proust schrieb einmal über ein interessantes Phänomen: Über die Bewegung der Dinge um uns herum. Die Dinge stehen nicht so fest wie wir sie sehen. Sie oszillieren, in ihnen vereinen sich Gegenwart und Vergangenheit. Man merkt es meist nur in dem Moment, in dem man aufwacht. Das Bewusstsein ist noch nicht da, konnte die Gegenwart noch nicht festlegen. Einen Moment lang schweben all die verschiedenen Zimmer, in denen man einmal geschlafen hat, vor dem inneren Auge. Sie sind wie Kleider, die man dem Raum anhält und schaut, ob sie denn passen könnten. Meist ist der Moment nach ein, zwei Sekunden wieder vorbei und das Bewusstsein legt sich fest über den Raum, kettet die Gegenwart wieder fest, löst den Hauch der Vergangenheit auf. Aber der Moment beweist die Gegenwart der Vergangenheit.
Aber auch das Umgekehrte ist möglich: Dass der Moment die Vergangenheit der Gegenwart beweist. Das geschieht immer dann, wenn vergangene Momente nachgestellt werden, wenn die gleichen Personen sich an gleichen Orten in gleichen Situationen wiederfinden. Nur dass es nicht mehr dieselben sind. So saß ich beispielsweise gestern mit meiner ehemaligen Mitbewohnerin und meiner damaligen Freundin gemeinsam an unserem Küchentisch. So wie wir auch damals gesessen hatten. Wir alle hatten uns verändert. Und doch drängte sich mir die Situation als gleich auf. Es war als wären wir wieder zusammen und würden wieder zusammen wohnen, als wäre keine Zeit vergangen. Ich war mir einen Moment nicht sicher, welcher Tag sei und ob wir nicht doch noch in der Zeit von vor zwei Jahren sind.
Die Suggestion des Moments war für wenige Sekunden ähnlich stark wie die Momente im Bett, in denen die Realität oszilliert und zeigt wie stark sie mit der Vergangenheit verwachsen ist.

Verquere Rhetorik

Der “Kampf gegen den Terrorismus” ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Das sagt Angela Merkel im ARD-Interview. Niemand stört sich daran, es scheint plausibel.
Dabei ist der Terrorismus nur medial viel präsenter als alle gewichtigeren Probleme. Er scheint uns in unserem Existenzrecht zu bedrohen. Das wird jedenfalls von der Politik suggeriert. Dafür müssen schonmal Bürgerrechte eingeschränkt werden. Vielleicht ist der Kampf gegen den Terrorismus daher unsere größte Herausforderung: Weil wir an ihm lernen können, was unsere Freiheit eigentlich bedeutet. Es geht daher nicht darum den Terrorismus zu besiegen, sondern unsere Impulse, unsere Reflexe wieder eines demokratischen Staates würdig zu machen: Uns nicht für die Sicherheit fesseln zu lassen.
Auf der anderen Seite verschleiert die “Kampf gegen den Terrorismus”-Rhetorik die Ursachen des Terrorismus. Es ist als würde man einem Krebspatienten empfehlen, seine herausragenden Geschwüre einfach mit einem Korsett zu heilen. Das sieht sonst einfach auch zu eklig für uns aus. Der Kampf des 21. Jahrhunderts wird aber der Kampf gegen die inneren Metastasen der Armut, den Hunger, das soziale Gefälle von Nord nach Süd sein. Nichts anderes.

Der mediale Amtsbonus

Angela Merkel ist nun im Politbarometer die beliebteste Politikerin Deutschlands. Abgesehen von dem fraglichen Meldungswert, ist das ein sehr schönes Beispiel für den beliebten Fehlschluss: Die sogennante Ich-Verzerrung. Bei niemandem in meinem Umfeld hat sich das Bild von Angela Merkel nur aufgrund der letzten zwei Monate gewandelt. Sie ist immer noch eine Machtpolitikerin mit dem Charme einer Fischfabriksarbeiterin. Leider steht mein Umfeld nicht für Deutschland, daher lässt sich leider nicht ausschließen, dass sie wirklich beliebter geworden ist. Was mich allerdings skeptisch macht, ist die Erinnerung daran, wie die meisten Medien die alte Regierung redaktionell bereits abgewählt hatten und Frau Merkel bereits Kanzlerin war. Die Medienschelte hielt sich in den eigenen medialen Grenzen. Dieselben Medien und dieselben Umfrage-Institute veröffentlichen nun solch lobende Texte und Umfragen. Wenn das nicht selbstbestätigend ist, was dann? Damals gab es ja auch eine Mehrheit für Schwarz-Gelb, warum sollte Angela Merkel nun nicht beliebteste Politikerin sein?

Abgehangene Abende

Gestern erlebte ich meinen wirklich ersten komplett sinnlosen Kneipen-Abend. Und das ging so: Man trifft sich mit einer Freundin, um zu reden. Man wirft eine Münze, während man schon im ersten Lokal steht, welches Lokal man denn nehmen wolle. Man merkt, dass niemand die Lust hat woanders hin zu gehen. Während man noch nach einer Münze kramt, kommt ein Bekannter, der schon lange an der Bar gelauert hatte, und gesellt sich dazu. Man wirft die Münze und fängt sie nicht, sieht aber auf dem Boden, dass es Weggehen heißen würde. Man lügt leichterdings, weil man ja sowieso hier bleiben wollte, ohne zu ahnen, dass der Bekannte noch einen Bekannten hat, der auch irgendwo saß, nun aber mitsitzen will. Man bleibt. Man sitzt an einem Vierertisch und hört einem Chemiker beim Schwallen zu. Gin Tonic ist das Getränk der Stunde. Und auch der nächsten Stunde. Die beiden Bekannten trinken. Nebenbei flüstert man der Freundin ins Ohr: “Es war Kopf. Ich habe gelogen.” Sie lächelt und wartet. Wir warten. Langsam versiegt der Schwall und die Müdigkeit kommt unverhofft. Um eins gehen sie.
Enttäuscht sitzt man da und trauert dem schönen Abend nach, ohne die Energie zu haben, ihn nun erst neu zu starten. Daher geht man lieber nach Hause und schläft. Schläft.

Enttäuschte Wut

Es kann sein, dass die meisten Bösartigkeiten auf der Welt aus der Erfahrung enttäuschter Erwartungen entstehen. Sei es Liebe, sei es Freundschaft, sei es Verständnis, immer steigert man sich einseitig in etwas hinein, das dann in einem für den anderen unerkennbaren Kulminationspunkt kollabiert. Das kann eine kleine Aussage, eine Geste oder ein Vergessen sein.
Die Kraft jedenfalls, die dann beim Enttäuschten frei wird, äußert sich in der einzigen überflüssigen Variante, in einer ungerichteten und ungerechten Wut gegen die Welt.

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